CML-Therapie mit Tyrosinkinasehemmern

Tyrosinkinasehemmer wirken gezielt in den Leukämiezellen und gelten als Standardtherapie bei der CML. Die Medikamente werden täglich eingenommen.

Die meisten CML-Patienten werden in der chronischen Phase diagnostiziert [1]. Die empfohlene Standardtherapie in dieser Krankheitsphase ist die Therapie mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern [1]. Tyrosinkinasehemmer gehören zu den zielgerichteten Therapien, d. h. sie greifen direkt dort an, wo die Krankheit entsteht. Im Fall der CML ist das das BCR-ABL-Eiweiß im Inneren der Leukämiezelle.

Wirkungsweise eines Tyrosinkinasehemmers 

Das BCR-ABL-Eiweiß (Entstehung von BCR-ABL) ist typisch für die CML und gehört zur Enzymklasse der Tyrosinkinasen. BCR-ABL bringt die Leukämiezelle dazu, sich unkontrolliert zu teilen. Ein Tyrosinkinasehemmer, in der Fachsprache auch Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) genannt, blockiert diesen Vorgang. [2]

Die Animation zeigt zunächst die Rolle von BCR-ABL in der Leukämiezelle und im Anschluss daran, wie ein Tyrosinkinasehemmer wirkt.

Animation: Wirkung eines Tyrosinkinasehemmers. Es spricht: PD Dr. med. Susanne Saußele, Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg

Wie werden Tyrosinkinasehemmer eingenommen?

Tyrosinkinasehemmer werden je nach Medikament ein- oder zweimal täglich in Tablettenform eingenommen [3]. Die Medikamente werden in der Regel langfristig eingesetzt [2]. Bei der Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern ist es entscheidend für den Therapieerfolg, jeden Tag zu den vorgegebenen Zeiten die volle verordnete Dosis einzunehmen. Jede Unterbrechung der Behandlung birgt die Gefahr, dass die CML wieder aufflammt und anschließend weniger gut auf die Therapie anspricht. [4]

Zur Unterstützung der Einnahme steht Ihnen im Servicebereich die kostenlose App der Initiative Leben mit CML zur Verfügung.

Ob die Therapie optimal anschlägt, kontrolliert der behandelnde Arzt durch regelmäßige Untersuchungen.

Welche Nebenwirkungen können bei Tyrosinkinasehemmern auftreten?

Wie bei jeder medikamentösen Therapie kann auch die Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind jedoch selten [2,5].

Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Auch die Wahl des Präparates spielt eine Rolle. 

Folgenden Nebenwirkungen treten bei Therapien mit Tyrosinkinasehemmern vergleichsweise häufig auf: [6]

  • Zu niedrige Anzahl bestimmter Blutzellen (Zytopenie)
  • Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Störungen im Verdauungstrakt (Übelkeit, Erbrechen und Durchfall)
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Hautirritationen (Hautausschlag, Juckreiz)
  • Chronische Müdigkeit (Fatigue)

Wenn Sie Nebenwirkungen bei sich feststellen, sollten Sie Ihren Arzt so bald wie möglich darüber informieren. Die meisten Nebenwirkungen sind bekannt und lassen sich in der Regel durch geeignete Maßnahmen bessern [6,7]. Unterbrechen Sie Ihre Therapie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt, um Komplikationen zu vermeiden.

Wenn die CML auf die verordnete Therapie nicht oder nicht mehr anspricht

Bei einem geringen Teil der CML-Patienten zeigt die Behandlung mit der Standardtherapie nicht die erwünschte Besserung oder verliert ihre Wirkung. Hintergrund dieses Phänomens sind häufig spezielle Veränderungen am BCR-ABL-Eiweiß, die verhindern können, dass der Wirkstoff wirkt [1]. In diesem Fall spricht man von Wirkstoff-Resistenz.

Außerdem gibt es eine kleine Gruppe von CML-Patienten, welche die Therapie schlecht vertragen und deshalb das Medikament dauerhaft absetzen müssen (Wirkstoff-Unverträglichkeit). Für CML-Patienten mit Resistenz oder Unverträglichkeit stehen alternative Tyrosinkinasehemmer zur Verfügung. [6]

Tyrosinkinasehemmer in der Historie der CML-Therapie

Die Entwicklung von Tyrosinkinasehemmern bedeutete einen großen Fortschritt für die Therapie der CML. Mit ihnen ist die CML in der chronischen Phase heute in den meisten Fällen gut kontrollierbar [5]. Derzeit wird in klinischen Studien geprüft, ob in günstigen Fällen ein stabiler Krankheitsrückgang erreicht werden kann, der langfristig sogar ein kontrolliertes Absetzen der Therapie erlaubt [8]. 

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, lesen Sie dazu die Erfolgsgeschichte der CML-Therapie.

Stand: 2014, Cornelia Dietz
Teaser: Linktitel: 
Zielgerichtet gegen CML
Quellen:
[1] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Chronische myeloische Leukämie (Stand: Januar 2013). https://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/cml (zuletzt besucht am 27.08.2014)
[2] http://www.krebsgesellschaft.de/leukaemie_therapie_chronische,39093.html (zuletzt besucht am 27.08.2014)
[3] Siehe entsprechende Packungsbeilage der CML-Medikamente mit Wirkstoff Tyrosinkinasehemmer.
[4] http://www.leukaemie-hilfe.de/dlh_infoblaetter.html?&no_cache=1&tx_drblob_pi1[downloadUid]=304 (zuletzt besucht am 27.08.2014)
[5] Hochhaus, Berger, Hehlmann, Chronische myeloische Leukämie – Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie. Unimed-Verlag, 2. Auflage, 2004
[6] http://www.leukaemie-online.de/index.php?option=com_content&view=article&id=848:management-von-nebenwirkungen-von-tyrosinkinasehemmern-bei-cml&catid=38:cml&Itemid=2 (zuletzt besucht am 27.08.2014)
[7] http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/den-krebs-am-wachstum-hindern-so-wirken-tyrosinkinase-hemmer.html (zuletzt gesichtet am 27.08.2014)
[8] http://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/cml (zuletzt gesichtet am 27.08.2014)