Messung des zytogenetischen Ansprechens bei CML

Ein Erfolg der CML-Therapie lässt sich über den Anteil der Zellen im Knochenmark, die ein Philadelphia-Chromosom tragen, feststellen. Beim vollständigen zytogenetischen Ansprechen ist das Chromosom nicht mehr nachweisbar.

Das Philadelphia-Chromosom (Abkürzung Ph) ist ein Chromosom, das natürlicherweise nicht im Körper vorkommt. Es entsteht durch einen Austausch von Genmaterial zwischen zwei Chromosomen (Translokation) (siehe auch die Animation zur Entstehung von BCR-ABL) In über 90 % der Fälle liegt bei der CML dieses Chromosom vor [1]. In seltenen Fällen kommt das Philadelphia-Chromosom auch in anderen Formen der Leukämie vor (AML und ALL) [2].

Durch die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern werden die Leukämiezellen gezielt bekämpft, d. h. die Zellen, die ein Philadelphia-Chromosom tragen, werden reduziert. Ist kein Philadelphia-Chromosom mehr nachweisbar, wird dies als zytogenetische Remission bezeichnet. Die zytogenetische Remission ist nach der hämatologischen Remission die zweite Etappe einer erfolgreichen CML-Therapie und soll bei optimalem Ansprechen nach 6 Monaten erreicht sein [1].

Mikroskopischer Nachweis in der Metaphase

Das Philadelphia-Chromosom lässt sich mikroskopisch in den Zellkernen von Knochenmarkszellen nachweisen [3]. Man kann Chromosomen am besten erkennen, wenn sich die Zelle gerade für die Teilung vorbereitet (siehe Abb. 1). Dieser Zustand der Zelle wird Metaphase genannt.

Die Analyse von Metaphasen zum Nachweis veränderter Chromosomen wird in der Fachsprache als zytogenetischer Nachweis (zyto = Zelle, genetisch = das Erbgut betreffend) bezeichnet.

Abb. 1 Die Chromosomen eines CML-Patienten in der Metaphase unter dem Mikroskop.

Abb. 1 Die Chromosomen eines CML-Patienten in der Metaphase unter dem Mikroskop.

Die Entnahme der Probe aus dem Knochenmark

Die Untersuchung auf das Philadelphia-Chromosom wird anhand von Knochenmarkzellen durchgeführt [3]. Hierfür wird eine Knochenmarkprobe in der Regel aus dem Beckenkamm gewonnen (siehe Abb. 2), seltener auch aus dem Brustbein [5]. Der dazu notwendige Eingriff – die Knochenmarkpunktion – findet in der Regel ambulant statt und wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen [4].

Abb. 2 Knochenmark wird meist am Beckenkamm entnommen.

Abb. 2 Knochenmark wird meist am Beckenkamm entnommen.

Um die Probe zu entnehmen, wird eine Spritze mit einer speziellen Hohlnadel durch die Haut und das Gewebe bis in das flüssige Knochenmark geschoben. Die kleine Einstichwunde wird anschließend versorgt und ist in der Regel nach wenigen Tagen verheilt. [5]

Der Wert im Befund

Als Remission wird der Krankheitsrückgang bzw. das Ansprechen auf die Therapie bezeichnet. Das Messergebnis für das zytogenetische Ansprechen wird in Prozent ausgedrückt, also den Anteil von Knochenmarkzellen mit Philadelphia-Chromosom im Verhältnis zu Knochenmarkzellen ohne das Chromosom.

Ist eine komplette zytogenetische Remission erreicht, bedeutet das, dass kein Philadelphia-Chromosom mehr nachweisbar ist [3]. Im Befund steht dann 0 % Metaphase.

Definition Zytogenetisches Ansprechen [6]
Zytogenetische Remission = kein Philadelphia-Chromosom mehr nachweisbar (0 % Metaphase)
Sollte innerhalb welcher Zeit erreicht sein: Nach sechs Monaten bei optimalem Ansprechen.
Verlaufskontrolle: Nach drei, sechs und 12 Monaten bis zum Erreichen einer kompletten zytogenetischen Remission, danach alle 12 Monate.

Wichtiger Hinweis: Diese Angaben können individuell unterschiedlich sein. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Er kann Ihre persönlichen Daten im Gesamtzusammenhang richtig beurteilen.

Stand: 2014, Cornelia Dietz
Teaser: Linktitel: 
Therapieziel zytogenetisches Ansprechen
Quellen:
[1] Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie: Chronische myeloische Leukämie (Stand: Januar 2013).
[2] https://www.fennerlabor.de/fachinfos/humangenetik-incl.-pharmakogenetik/molekularbiologischer-nachweis-der-philadelphia-translokation-bei-der-cml-und-all/ (zuletzt besucht am 04.09.2014)
[3] Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe: Chronische Myeloische Leukämie. Ratgeber für Patienten (Stand: März 2013)
[4] Deutsche Krebsgesellschaft: Leukämie-Diagnose. http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_leukaemie_diagnose,107823.html (zuletzt besucht am 15.08.2014)
[5] Deutsche Krebshilfe: Blauer Ratgeber Nr. 20 – Leukämie bei Erwachsenen (Stand: Juli 2013)
[6] Chronische myeloische Leukämie, ELN-Update 2013 – Empfehlungen zum Therapiemanagement, Thieme Verlag, Leitlinie kompakt 2013;1(2):1-16