Hämatologisches Ansprechen – das Blutbild im Verlauf der Therapie

Die CML fällt zu Beginn durch die erhöhte Zahl der weißen Blutkörperchen in der Blutuntersuchung auf. Beim vollständigenhämatologischen Ansprechen handelt es sich um die Normalisierung des Blutbilds als erstem Meilenstein der Therapie.

Nach der Diagnose CML besteht das erste Therapieziel darin, das Blutbild zu normalisieren. Dabei wird mit verschiedenen Medikamenten versucht, das zahlenmäßige Verhältnis der Blutzellen wie bei einem Gesunden wiederherzustellen – Mediziner sprechen vom vollständigen hämatologischen Ansprechen. [1,2]

Zu Beginn der Therapie werden alle zwei Wochen Blutproben untersucht [3]. Sobald es zu einem hämatologischen Ansprechen gekommen ist, werden die Kontrollen nur noch in größeren Abständen zur Überwachung durchgeführt. [2,3] Ein komplettes hämatologisches Ansprechen sollte im optimalen Fall nach 3 Monaten erreicht sein [3].

Veränderungen des Blutes bei der CML

Infolge einer CML ist die Zusammensetzung des Bluts krankhaft verändert. Das Knochenmark bildet zu viele weiße Blutkörperchen, speziell der Unterart der Granulozyten. Durch die gesteigerte Produktion der weißen Blutkörperchen wird die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) unterdrückt. [2,4]

Im Verlauf einer CML ändert sich die genaue Zusammensetzung des Bluts – abhängig davon, in welcher Krankheitsphase der Patient sich befindet (siehe Tabelle 1) [2,4].

 

Weiße Blutkörperchen

Rote Blutkörperchen

Blutplättchen

Reifegrad der weißen Blutkörperchen

Chronische Phase

 Vermehrt Normal oder zuwenig Können zuviel oder zuwenig sein Ausgereift

Akzelerierte Phase

 Anzahl steigt Werden von weißen Blutkörperchen verdrängt (Anzahl sinkt) Werden von weißen Blutkörperchen verdrängt (Anzahlt sinkt)

Zunehmend unreife Zellen

Blastenkrise

 Rascher und
 starker Anstieg

Werden stark von weißen Blutkörperchen verdrängt Werden stark von weißen Blutkörperchen verdrängt Viele unreife Zellen

Tab. 1 Veränderungen des Blutbilds im Verlauf einer unbehandelten CML [2].

Weiße Blutkörperchen

Reifegrad der weißen Blutkörperchen

Chronische Phase

Vermehrt

Ausgereift

Akzelerierte Phase

Anzahl steigt

Zunehmend unreife Zellen

Blastenkrise

Rascher und starker Anstieg

Viele unreife Zellen

Tab. 1 Veränderungen des Blutbilds im Verlauf einer unbehandelten CML [2].

Rote Blutkörperchen

Blutplättchen

Chronische Phase

Normal oder zuwenig

Können zuviel oder zuwenig sein

Akzelerierte Phase

Werden von weißen Blutkörperchen verdrängt

(Anzahl sinkt)

Werden von weißen Blutkörperchen verdrängt

(Anzahl sinkt)

Blastenkrise

Werden stark von weißen Blutkörperchen verdrängt

Werden stark von weißen Blutkörperchen verdrängt

Tab. 1 (Fortsetzung) Veränderungen des Blutbilds im Verlauf einer unbehandelten CML [2].

Was bedeuten reife und unreife weiße Blutkörperchen?

Wenn Blutzellen sich entwickeln, reifen sie im Knochenmark von Vorläuferzellen zu funktionsfähigen Blutzellen heran. Die unreifen Vorstufen von Blutzellen (verallgemeinernd Blasten genannt) kommen normalerweise nicht im Blut vor. 

Abb. 1 Normaler Reifungsprozess eines Granulozyten. Ein Granulozyt entwickelt sich aus einem Myeloblast über verschiedene Vorstufen. Ein ausgereifter Granulozyt bleibt entweder im Knochenmark oder tritt in Blut und Gewebe über. Er ist voll funktionstüchtig. [5]

Besonders in der frühen chronischen Phase sind zwar zu viele weiße Blutkörperchen im Blut, es handelt sich dabei jedoch noch um ausgereifte, funktionstüchtige Zellen. Im Verlauf der CML kommt es kontinuierlich zu einem Anstieg unreifer weißer Blutkörperchen, speziell der Granulozyten, im Blut – Mediziner nennen dieses Phänomen „Linksverschiebung" [6].

Hämatologisches Ansprechen unter Therapie

Anhand einer Blutuntersuchung prüft der Arzt die Zusammensetzung des Blutes. Er bestimmt die Zellzahl sowie den Anteil und den Reifegrad einzelner Zellarten. Durch die Therapie soll sich das Blutbild normalisieren. [1,3]

Neben dem Blutbild wird beim hämatologischen Ansprechen auch die Milzgröße untersucht [1,3]. Da das Knochenmark immer weniger gesunde Blutzellen bildet, kann es zur Blutbildung außerhalb des Knochenmarks in der Milz oder einem vorzeitigen Abbau roter Blutkörperchen in der Milz kommen. Aufgrund dieser vermehrten Belastung vergrößert sich das Organ. Durch die Therapie sollte sich die Milz wieder zu normaler Größe zurückbilden. Dies untersucht der Arzt durch Tasten des Oberbauchs oder mit Ultraschall (Sonografie). [3,4]

Haben sich das Blutbild und die Milzgröße normalisiert, entspricht dies einer kompletten hämatologischen Remission, welche im Idealfall nach 3 Monaten erreicht sein sollte. [3]

Definition Hämatologische Remission [3]

  • Leukozytenzahl weniger als 10.000/μl
  • Thrombozytenzahl weniger als 450.000/μl
  • Rückbildung der Milzvergrößerung
  • Sollte im Idealfall innerhalb von drei Monaten erreicht sein.
  • Verlaufskontrolle: Alle zwei Wochen bis zum Erreichen einer kompletten hämatologischen Remission, dann alle drei Monate.

Wichtiger Hinweis: Die genannten Werte sind von vielen Faktoren abhängig und können individuell unterschiedlich sein. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, sprechen Sie Ihren Arzt an. Er kann Ihre persönlichen Ergebnisse im Gesamtzusammenhang richtig beurteilen.

Zum Weiterlesen: Die Infografik zum Differentialblutbild zeigt Ihnen einfach und übersichtlich, was sich hinter den Begriffen auf Ihrem Befund verbirgt und welche Bedeutung die einzelnen Blutwerte haben.

Stand: 2014, Cornelia Dietz und Christopher Dietrich
Quellen:
[1] http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/diagnostik.php (zuletzt besucht am: 14.08.2014)
[2] Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe: Chronische myeloische Leukämie – Ratgeber für Patienten (Stand: März 2012)
[3] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Chronische myeloische Leukämie (CML) (https://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/cml) (Stand: Januar 2013)
[4] Deutsche Krebshilfe: Blauer Ratgeber Nr. 20 – Leukämie bei Erwachsenen (Stand: Juli 2013)
[5] http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/leuthold-jan-2003-01-16/HTML/leuthold-ch2.html (zuletzt besucht am 18.08.14)
[6] http://flexikon.doccheck.com/de/Linksverschiebung (zuletzt besucht am 03.09.14)
Für Fachkreise

Informationen zum Monitoring bei CML