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Das Blutbild im Verlauf einer CML-Erkrankung

04.08.2010

Zu viele weiße Blutkörperchen sind typisch im Blutbild einer CML. Im Verlauf der Erkrankung verdrängen die weißen Blutkörperchen andere Blutzellen immer mehr. Doch auch der Reifegrad der Zellen spielt für den Schweregrad der CML eine Rolle.

Das Blutbild im Verlauf einer CML-ErkrankungInfolge einer chronisch myeloischen Leukämie (CML) ist die Zusammensetzung des Bluts krankhaft verändert. Das liegt daran, dass das Knochenmark zu viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) bildet. Durch die gesteigerte Produktion der weißen Blutkörperchen wird die Bildung aller anderen Blutzellen unterdrückt – auch die der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Dadurch kann das Blut seine Aufgaben wie Sauerstoff- und Nährstofftransport, Immunabwehr und Blutgerinnung letztlich nicht mehr ausreichend erfüllen. Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungsminderung oder eine erhöhte Blutungsneigung sind häufig die Folge.

Im Verlauf einer CML ändert sich die genaue Zusammensetzung des Bluts – abhängig davon, in welcher Krankheitsphase der Patient sich befindet. Mediziner unterscheiden drei Phasen einer CML:

  • Chronische Phase
  • Akzelerierte Phase
  • Blastenkrise


Verdacht auf CML: zu viele weiße Blutkörperchen im Blutbild

Da eine CML zu Beginn häufig ohne körperliche Symptome verläuft, wird sie in diesem Stadium nicht selten zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Einen ersten Hinweis auf eine mögliche CML bekommt der Arzt, wenn er im Blutbild zu viele weiße Blutkörperchen feststellt. Bei Diagnose liegen oft um 200.000 Leukozyten in einem Millionstel Liter (Mikroliter = µl) Blut vor. Zum Vergleich: Bei gesunden Menschen befinden sich 4.000-9.000 weiße Blutkörperchen pro Mikroliter Blut.

 

Reife und unreife weiße Blutkörperchen bei einer CML

Neben der Anzahl der weißen Blutkörperchen kann der Arzt im Blutbild auch den Reifegrad dieser Zellen beurteilen – das erlaubt ihm Rückschlüsse darauf, in welcher Phase der CML sich der Patient befindet.

Wenn Blutzellen sich entwickeln, reifen sie im Knochenmark von Vorläuferzellen zu funktionsfähigen Blutzellen heran. Die unreifen Vorstufen von Blutzellen (Blasten) kommen normalerweise nicht im Blut vor.

Besonders in der frühen chronischen Phase sind zwar zu viele weiße Blutkörperchen im Blut, es handelt sich dabei jedoch noch um ausgereifte, funktionstüchtige Zellen. Im Verlauf der CML kommt es aber kontinuierlich zu einem Anstieg unreifer weißer Blutkörperchen im Blut – Mediziner nennen dieses Phänomen "Linksverschiebung".

 

Anzahl der Blutplättchen in der chronischen Phase der CML verändert

Typisch für das Blutbild in der chronischen Phase ist vor allem, dass sich zu viele weiße Blutkörperchen im Blut befinden (Leukozytose). Mitunter sind in diesem Stadium aber auch zu viele Blutplättchen (Thrombozyten) im Blutbild erkennbar. Blutplättchen fördern die Blutgerinnung – die erhöhte Blutplättchenzahl (Thrombozytose) kann daher in dieser Phase der CML auch eine Thrombose (Blutgerinnsel) als Komplikation verursachen. Häufig sind die Blutplättchen bei der CML aber nicht mehr voll funktionstüchtig. Auch eine verminderte Thrombozytenzahl kann vorkommen. In diesem Fall ist die Blutgerinnung gestört.

 

Zu wenig rote Blutkörperchen in der akzelerierten Phase

Die akzelerierte Phase ist ein Fortschreiten der CML. In dieser Phase steigt die Zahl der weißen Blutkörperchen auf bis zu 500.000 Zellen pro Mikroliter Blut oder mehr.

Typischerweise ist jetzt auch eine spezielle Unterform der weißen Blutkörperchen, die basophilen Granulozyten, vermehrt im Blutbild zu erkennen. Außerdem liegen nun über 10 % der Zellen in Knochenmark und Blut als unreife Blasten vor. Deren ungehemmte Vermehrung im Knochenmark führt dazu, dass der Körper dort immer weniger gesunde Blutzellen bilden kann. Zu wenig rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sind die Folge. Mediziner bezeichnen diesen Zustand als Blutarmut (Anämie), die Betroffenen sind müde und schnell erschöpft. Oft liegt eine Anämie auch schon in der chronischen Phase der CML vor.

Sind die Blutplättchen in der chronischen Phase zum Teil noch erhöht, fällt auch ihre Konzentration im Blut in der akzelerierten Phase ab. Die Patienten neigen zu Hämatomen ("blauen Flecken") und Blutungen.

Nicht zuletzt entstehen auch zu wenig funktionstüchtige weiße Blutkörperchen, was eine erhöhte Infektanfälligkeit zur Folge haben kann.

 

Rascher Anstieg unreifer Blutzellen in der Blastenkrise

Die Blastenkrise ist die schwerwiegendste und lebensbedrohende Erkrankungsphase. Während dieser Phase steigt der Blastenanteil im Knochenmark und im Blut auf über 30 % an. Knochenmark und Blut werden mit sehr unreifen Zellen förmlich überschwemmt. Das behindert die Bildung und Funktion der anderen Blutbestandteile stark. Neben den CML-Symptomen treten nun auch Beschwerden wie bei einer akuten Leukämie auf (z. B. Fieber, Infektionen, Hauteinblutungen).


In vielen Fällen ist eine CML mithilfe von Tyrosinkinasehemmern gut behandelbar. Sie versprechen zwar keine Heilung, können die Erkrankung aber meist gut kontrollieren. Wichtig ist, dass der Patient sich an die Anweisungen des Arztes hält und die Medikamente wie verordnet einnimmt (Therapietreue).

Quellen: Krebsinformationsdienst (http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/diagnostik.php; Stand: 18.01.2010); Patientenbroschüre "Leben mit CML"; Checkliste Onkologie, 5. Aufl. 2001, Thieme Verlag; Online-Information der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie; Leitlinie CML: www.dgho.de/onkopedia/CML (Stand: 27. 09. 2009); Herold, G. Innere Medizin, Selbstverlag Köln, 2010.
Stand: 21. Januar 2010
Autoren: Torben Riener, Torsten Stiewe, Dr. med. Martin Waitz

Dies ist ein Service von Novartis Oncology.