Therapietreue auch nach Jahren – so kann es gelingen

Die CML ist eine lebenslange Erkrankung. Medikamenteneinnahme und Arztbesuche und vielleicht Änderungen von Lebensgewohnheiten – alles muss dauerhaft im Alltag verankert sein.

Die meisten CML-Patienten, bei denen die Therapie rechtzeitig eingeleitet wird, können ein weitgehend normales Leben führen [1]. Daher erfolgt auch die Behandlung dauerhaft, in vielen Fällen über Jahrzehnte. 

Als CML-Patient müssen Sie die verordneten Medikamente konsequent einnehmen, damit die Therapie wirken kann und die Gefahr sinkt, dass sich eine Resistenz entwickelt oder die Erkrankung fortschreitet [3,4]. Regelmäßige Arztbesuche sind zur Kontrolle des Therapieerfolgs unerlässlich. Doch auch, wenn Sie genau wissen, wie wichtig das alles ist, ist es nicht einfach, sich immer wieder neu dazu zu motivieren. Diese Informationen und Tipps möchten Ihnen helfen, an Ihrer Therapie dranzubleiben.

Therapietreue auch nach Jahren – so kann es gelingen

Übernehmen Sie eine aktive Rolle bei der Therapieentscheidung

Die Umsetzung einer Entscheidung, die Sie selbst mit getroffen haben, motiviert mehr als nur eine Anweisung zu befolgen. Dies gilt auch für die Entscheidung, welche und wie eine Therapie durchgeführt wird. [2]

Der Arzt als Fachmann für die CML gibt Ihnen eine Empfehlung, wie die Erkrankung in Ihrem Fall am besten zu behandeln ist. Sie wissen, wie Ihr Leben und Ihr Alltag aussehen. Zusammen können Sie die Strategie zur Therapiedurchführung finden, die bestmöglich zu Ihnen passt. Informieren Sie daher Ihren Arzt über Ihre Bedürfnisse und Ansprüche an die Therapie. 

Dies ist nicht nur zu Beginn der Behandlung hilfreich, sondern auch, wenn sich im Laufe der Jahre etwas in Ihrem Alltag verändert, das Ihnen die regelmäßige Einnahme erschwert. Dies können z. B. ein Jobwechsel mit anderen Arbeitszeiten, Eintritt in den Ruhestand oder andere Lebensgewohnheiten durch neue Hobbys sein. Oder Sie bemerken eine Lustlosigkeit gegenüber der Therapie, die durchaus einmal vorkommen kann. Teilen Sie dies Ihrem Arzt mit, bevor die Therapie darunter leidet, damit Sie gemeinsam eine Lösung finden können.

Therapietreue auch nach Jahren – so kann es gelingen

Gründe verstehen hilft Hürden zu nehmen

Unbestritten ist, dass die Medikamente nur wirken können, wenn sie eingenommen werden. Es stimmt auch, dass die korrekte Einnahme Voraussetzung dafür ist, dass die Medikamente richtig wirken können. Doch Realität ist trotzdem, dass Patienten die Einnahme manchmal vergessen, bewusst pausieren oder gar stoppen [3]. 

Häufige Gründe sind:

  • Vergesslichkeit: Nach einigen Untersuchungen vergessen über 50 % der Patienten ab und an die Einnahme [3]
  • Vermeiden von Nebenwirkungen: Der Patient möchte z. B. Nebenwirkungen im Urlaub oder am Wochenende vermeiden [3]
  • Ungenügende Information: Es ist dem Betroffenen unklar, welche zentrale Bedeutung ein konstanter Wirkspiegel für den Therapieerfolg hat [2, 4]. Auch andere Fragen zur Therapie können Unsicherheit erzeugen, wenn z. B. das Einnahmeschema unklar ist
  • Verharmlosung: Wenn aufgrund der Therapie kaum Beschwerden vorliegen, kann es zum Trugschluss kommen, dass die Therapie nicht mehr nötig sei [5]
  • Stress: die Hektik des (Berufs-)Alltags hält von der Einnahme zum richtigen Zeitpunkt oder vom Arzttermin ab [3]

Das Gute daran ist: es gibt Möglichkeiten, diesen Hürden zu begegnen.

Therapietreue auch nach Jahren – so kann es gelingen

Wege zur Therapietreue

Vergesslichkeit: es gibt verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten, um an die Einnahmen zu denken oder sie zu erleichtern. Suchen Sie sich aus der Liste die aus, die am besten zu Ihnen passt oder lassen Sie sich dadurch zu eigenen Ideen inspirieren:

  • Kostenlose App mit Erinnerungsfunktion verwenden
  • Tablettendosierer benutzen, dies hilft insbesondere, falls Sie mehrere Medikamente einnehmen müssen [3]; erhältlich z. B. in der Apotheke
  • Erinnerung an Handy oder Wecker einstellen
  • Angehörige einbeziehen, damit sie Sie erinnern können [3]
  • Erinnerungszettel an einen Ort kleben, der häufig in Ihrem Sichtfeld ist, z. B. die Kühlschranktür, der Esstisch, der Spiegel

Vermeiden von Nebenwirkungen: Eine Therapie sollte nicht aufgrund von Nebenwirkungen scheitern. Sprechen Sie deshalb unbedingt Ihren Arzt auf die Beschwerden an. Er kennt die typischen Nebenwirkungen der CML-Medikamente und wie sie behandelt werden können. Gegebenenfalls kann er die Therapie oder Einnahme so anpassen, dass Sie besser zurechtkommen. [6]

Ungenügende Information und Verharmlosung: Erster Ansprechpartner für Fragen sollte Ihr behandelnder Arzt sein, der die Patientenaufklärung durchführt. Wenn Sie sich darüber hinaus informieren möchten, finden Sie hier Tipps, wie Sie sich gut über Gesundheitsthemen informieren können.

Diese Artikel geben Ihnen schnell Informationen dazu, was eine unregelmäßige Einnahme auslösen kann.

Vergessen, das Medikament zu nehmen – was nun?

CML – Warum sind Kontrolluntersuchungen so wichtig?

Stress: Begegnen Sie dem Zeitproblem bei Arztterminen oder der Einnahme mit einem bewussten Zeitmanagement und dem richtigen Fokus: [7]

  • Planen: Tragen Sie Ihre Behandlungstermine in den gleichen Kalender ein, den Sie auch für berufliche oder andere persönliche Termine verwenden.
  • Gewichten: Nehmen Sie Ihre Behandlungstermine genauso wichtig wie berufliche oder andere persönliche Termine.
  • Abschirmen: Erklären Sie Ihre Behandlungstermine zum „unantastbaren Termin", den Sie unter keinen Umständen verschieben können. 
  • Priorisieren: Machen Sie sich die Bedeutung der Medikamenteneinnahme für Ihr Leben noch einmal bewusst. In diesem Licht betrachtet kann es gelingen, die Priorität wieder auf die Einnahme zu setzen und den Alltagsstress hintenanzustellen.

Noch ein Tipp: Eine entscheidende Strategie bei einer langfristigen Therapie besteht darin, die Macht der Gewohnheit zu nutzen. Bestimmen Sie für Ihre Vorhaben feste Termine – am besten immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Nehmen Sie zum Beispiel Ihre Medikamente immer zur selben Uhrzeit ein, geschieht dies mit der Zeit „automatisch" bzw. aus der Situation heraus. Der Grund: Die Selbstverständlichkeit spart viel Energie. [7]

Erleichtern Sie sich Ihr Therapiemanagement! Neben den genannten Hilfsmitteln gibt es weitere Unterstützungen, die Sie nutzen können. Die Initiative Leben mit CML hält für Sie Informations- und Unterstützungsmaterialien bereit. 

Therapietreue auch nach Jahren – so kann es gelingen

Sich bewusst motivieren hilft über Durststrecken

Es kann leichter sein, mit einer Sache zu beginnen, als sie dauerhaft fortzusetzen. Entscheidend ist, dass Sie sich von vornherein auf Hindernisse und Versuchungen einstellen. Folgende Strategien können Ihnen helfen, sich immer wieder neu zu motivieren: [7]

  • Erfolge feiern: Nehmen Sie Ihre Erfolge bewusst wahr und seien Sie stolz darauf, auch auf die kleinen Fortschritte! Belohnen Sie sich regelmäßig für Ihre Disziplin und lassen Sie andere daran teilhaben.
  • Die Stimmung fördern: Konzentrieren Sie sich mehr auf die erfreulichen Seiten des Lebens. Was macht Ihnen Freude? Wo können Sie Ihre besonderen Fähigkeiten einbringen? 
  • Sich stärken: Erinnern Sie sich an schwierige Situationen, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Dies stärkt das Gefühl für die eigene Kraft.
  • Sich entspannen: Bei was können Sie entspannen – Entspannungsverfahren wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung oder Yoga? Finden Sie es heraus!

Auch Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können die Motivation fördern. Natürlich ist es Typ-Sache, welche Strategie Sie anspricht und Ihnen hilft. Seien Sie kreativ und finden Sie Ihren persönlichen Motivator. 

Stand: 2014, Cornelia Dietz
Teaser: Linktitel: 
Lange leben mit CML
Quellen:

[1] http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/cml.html#c24149 (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[2] http://www.medizin-aspekte.de/psychologie/adhaerenz-compliance_32006.html (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[3] http://www.krebsmagazin.de/orale-therapie-in-der-onkologie-therpietreue-zahlt-sich-aus/ (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[4] http://www.krankenpflege-journal.com/onkologie/leukaemie/2996-jan-geissler-thema-therapietreueq-compliance-bei-cml-.html (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[5] http://www.daslebenshaus.org/index.php/gist/gist-verstehen/themen-im-fokus/therapietreue (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[6] http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/den-krebs-am-wachstum-hindern-so-wirken-tyrosinkinase-hemmer.html (zuletzt besucht am 26.08.2014)
[7] Techniker Krankenkasse: Motivation zu mehr Gesundheit (Stand: Dezember 2009) http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/233598/Datei/2382/TK-Broschuere-Motivation.pdf