Den BCR-ABL-Wert verstehen

Der Gehalt von BCR-ABL im Blut gibt Auskunft über die Aktivität der CML. Deshalb ist es für CML-Patienten so wichtig, diesen Wert zu kennen und zu verstehen. Wichtige Begriffe zu BCR-ABL im Befund werden hier erläutert.

Als CML-Patient ist es für Sie wichtig, Ihre Ergebnisse der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zu verstehen. Ein zentraler Wert, der langfristig beobachtet wird, ist der BCR-ABL-Wert. Er drückt aus, wie die CML auf die Therapie anspricht – je kleiner er wird, desto besser.

Nachfolgend werden wichtige Begriffe und Zusammenhänge zu BCR-ABL erläutert, die Ihnen im Arztgespräch, im ärztlichen Befund oder bei eigenen Recherchen häufig begegnen werden.

Die Prozentangabe:

Im Befund wird meist ein Verhältnis-Wert für das BCR-ABL-Gen angegeben, beispielsweise BCR-ABL zu ABL (BCR-ABL/ABL) in Prozent. Dieser drückt aus, wie viel krankhaft veränderte Gene (BCR-ABL) im Verhältnis zu gesunden Genen (ABL) vorliegen.

Das optimale Therapieansprechen:

Nach den medizinischen Leitlinien ist es optimal, innerhalb von 12 Monaten nach Therapiebeginn ein gutes molekulares Ansprechen (MMR) zu erreichen, d. h. ein Wert von 0,1 % und weniger (siehe Abb. 1). [1, 2] Das individuelle Therapieziel kann in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt jedoch abweichen.

Der BCR-ABL-Wert kann bei gutem Ansprechen auf die Therapie sogar noch weiter als 0,1 % sinken. Ab einem Wert von 0,01 % und darunter spricht der Arzt von einem tiefen molekularen Ansprechen.
Ein anhaltendes tiefes molekulares Ansprechen ist nach bisherigem Wissensstand erforderlich, wenn ein Absetzen der Therapie im Rahmen von Studien erwogen wird [2].

Abb. 1 Im Idealfall sinken die BCR-ABL-Werte im Laufe der Therapie immer weiter ab. Die Grafik zeigt schematisch, wie sich die Zellzahl reduziert. Die Skala links gibt das Verhältnis kranker zu gesunden Zellen in Prozent (BCR-ABL/ABL) an.

Abb. 1 Im Idealfall sinken die BCR-ABL-Werte im Laufe der Therapie immer weiter ab. Die Grafik zeigt schematisch, wie sich die Zellzahl reduziert. Die Skala links gibt das Verhältnis kranker zu gesunden Zellen in Prozent (BCR-ABL/ABL) an.

PCR-negativ:

Im Laborbericht kann der Hinweis „PCR negativ“ auftauchen. Eine mögliche Ursache für dieses Ergebnis ist, dass das Messergebnis kleiner als 0,001 % ist. Bei 0,001 % liegt die technische Nachweisgrenze des PCR-Geräts [Laborwerte/BCR-ABL/was ist BCR-ABL], d. h. kleinere Werte kann das Gerät in der Regel nicht mehr messen. [3]
Ein anderer Grund für ein negatives PCR-Ergebnis kann sein, wenn die Messung nicht erfolgreich verlaufen ist, z. B. weil die Blutprobe durch Fremdstoffe verunreinigt war. Wenn Sie Fragen zu Ihren Testergebnissen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt, der mit seiner Erfahrung die Ergebnisse einschätzen kann.

Log-Stufen:

Log kommt von Logarithmus und ist eine Möglichkeit, stark wachsende oder stark sinkende Zahlen „handlicher" auszudrücken. Bei der CML ist dies nützlich, wenn von Zellzahlen gesprochen wird. Denn durch die Therapie nimmt die sehr große Anzahl Leukämiezellen so schnell ab, dass „normale" Zahlen sehr unübersichtlich wären.

Wird die Blutprobe eines CML-Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose untersucht, sind darin beispielsweise 1 Billion Zellen mit dem BCR-ABL-Gen nachweisbar. Dies wären 1 000 000 000 000 Zellen. In logarithmischer Form ausgedrückt heißt es 1012, der Wert bleibt derselbe (siehe Abb. 2).

Bei CML ist es das Therapieziel, ein gutes molekulares Ansprechen zu erreichen. Logarithmisch ausgedrückt entspricht das gute molekulare Ansprechen einer Zellzahl von 109.

3 Log-Reduktion:

Im Fachjargon wird bei einer CML-Therapie von der so genannten 3 Log-Reduktion gesprochen. Diese beschreibt, dass die Anzahl der Tumorzellen im Körper innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens unter Therapie über drei Log-Stufen hinweg sinkt (siehe Abb. 2). Beispielsweise sinkt sie ausgehend von 1012 bei Diagnose auf 1011, weiter auf 1010 und weiter auf das Therapieziel 109. Ein Gehalt von 109 Leukämiezellen entspricht einer guten molekularen Remission (MMR). Wird diese 3 Log-Reduktion innerhalb von 12 Monaten erreicht, wird dies als ein positives Zeichen für den weiteren Krankheitsverlauf gewertet. [2]

Abb. 2 Logarithmus und Log-Stufen: Links auf der Skala die logarithmische Schreibweise und die Log-Stufen. Rechts BCR-ABL in Prozent. Die Reduzierung der Zellanzahl wird von Diagnose an gerechnet. Nach 3 Log-Stufen ist ein gutes molekulares Ansprechen erreicht (modifiziert nach 2).

Abb. 2 Logarithmus und Log-Stufen: Links auf der Skala die logarithmische Schreibweise und die Log-Stufen. Rechts BCR-ABL in Prozent. Die Reduzierung der Zellanzahl wird von Diagnose an gerechnet. Nach 3 Log-Stufen ist ein gutes molekulares Ansprechen erreicht (modifiziert nach 2).

Schwankende Werte – die Aussagekraft richtig einschätzen

CML-Patienten gehen meist im Abstand von drei oder sechs Monaten zur Untersuchung des BCR-ABL-Wertes. Einige Tage nach dem Termin erhalten sie die Ergebnisse. Ist durch die Therapie erst einmal die MMR oder sogar ein tieferes Ansprechen erreicht, soll dieser Zustand langfristig stabil gehalten werden. Trotzdem wird es dem Patienten auffallen, dass der BCR-ABL-Wert nicht kontinuierlich gleich bleibt. Es kann vorkommen, dass der Wert z. B. von 0,01 % auf 0,1 % steigt (dies entspricht dem Faktor 10). Dies kann zu Verunsicherung führen, ob denn die Therapie nicht mehr richtig wirkt.

Wenn der BCR-ABL-Wert einmalig um den Faktor 10 erhöht ist, liegt das in einem normalen Schwankungsbereich und ist in der Regel nicht kritisch. Wenn die Werte jedoch zweimal in Folge um den Faktor 10 ansteigen, sollte der Arzt die Ursache abklären und beobachten, ob der Trend weiterhin steigend ist. In BCR-ABL-Werten ausgedrückt hieße das, dass bei einer Untersuchung der Wert von 0,01 % gemessen wird und bei den beiden nachfolgenden Untersuchungen Werte von 0,1 % bzw. 1,0 %.

Wenn Sie sich unsicher sind, was Ihre Untersuchungsergebnisse bedeuten, fragen Sie Ihren behandelnden Arzt. Er kann Ihnen die Werte im Hinblick auf Ihre individuelle Krankheitsgeschichte erklären, da die Schwankungen immer im Gesamtverlauf betrachtet werden müssen.

Sehen Sie zu diesem Thema auch unseren Informationsfilm „Leben mit CML“.

Ausblick

Grundsätzlich können sich bisherige Therapieziele ändern, wenn in der Forschung neue Erkenntnisse gewonnen werden oder neue bzw. weiterentwickelte Medikamente auf den Markt kommen.

Bei der CML sind die Therapieziele derzeit ebenfalls im Wandel. Verbesserte Diagnostikmöglichkeiten und Medikamente ermöglichen beispielsweise, über das momentane Ziel einer MMR hinaus zu gehen. Weiterhin wird untersucht, ob in günstigen Fällen ein so stabiler Krankheitsrückgang erreicht werden kann, der ein Absetzen der Therapie erlaubt. [4] Dazu sind jedoch noch weitere Beobachtungen unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle und ausschließlich im Rahmen von Studien notwendig.

Stand: 2014, Cornelia Dietz
Quellen:
[1] Novartis Pharma GmbH: Molekulares Monitoring in der CML-Therapie nach Baccarani M et al. JCO 2009;27(33):6041–6051
[2] Chronische myeloische Leukämie, ELN-Update 2013 – Empfehlungen zum Therapiemanagement, Thieme Verlag, Leitlinie kompakt 2013;1(2):1-16
[3] http://www.leuka.org.uk/cml-alliance/about-cml/monitoring/rt-qpcr/ (zuletzt gesichtet am 25.08.14)
[4] http://www.kim2.uniklinikum-jena.de/KIM+II/H%C3%A4matologie+und+Internistische+Onkologie/Funktionsbereiche/Konsultationszentren/CML_Info.html#Absetzen (zuletzt gesichtet am 14.11.2012)