Therapieziel bei CML: aufhalten, zurückdrängen, stabilisieren

Ziel der CML-Therapie ist es, die Krankheit möglichst dauerhaft unter Kontrolle zu bringen. Das Ansprechen auf die Therapie in den ersten 12 Monaten ist dafür ein wesentlicher Prognosefaktor.

Als Therapie der ersten Wahl bei CML empfehlen die aktuellen Leitlinien Tyrosinkinasehemmer. Ziel der Therapie mit Tyrosinkinasehemmern ist es, die CML aktiv zurückzudrängen und ein Fortschreiten in die nächste Phase zu verhindern. Langfristig soll die Krankheit möglichst dauerhaft unter Kontrolle sein. Für Patienten, die in der chronischen Phase diagnostiziert werden, wird das Therapieziel einer normalen Lebenserwartung angestrebt. [1]

Remissionen – Meilensteine in der CML-Therapie

Als Remission wird der Krankheitsrückgang bzw. das Ansprechen auf die Therapie bezeichnet. Bis eine stabile Krankheitskontrolle erreicht ist, werden drei aufeinanderfolgende Meilensteine angestrebt (siehe Abb. 1): [1]

  • Hämatologische Remission
  • Zytogenetische Remission
  • Molekulare Remission

Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen wird beobachtet und geprüft, ob die Meilensteine erreicht werden, d. h. wie der Patient auf die Therapie anspricht. [1]

1. Hämatologisches Ansprechen (Blutbild)

Anhand einer Blutuntersuchung werden die Zellanzahl sowie der Anteil und Reifegrad einzelner Zellarten bestimmt. Ziel der Behandlung ist es, ein Übermaß an weißen Blutkörperchen zu reduzieren und auch die Werte weiterer Blutbestandteile wie Blutplättchen und rote Blutkörperchen im Blut zu normalisieren [1]. Falls die Milz vergrößert ist, ist es Ziel der Behandlung, die Größe auf ein normales Maß zu bringen [4].

Als vollständige hämatologische Remission wird gewertet, wenn die Zusammensetzung des Bluts normalisiert ist, die Milz ihre normale Größe erreicht und der Patient auch sonst keine Beschwerden hat. Dies sollte bei optimalem Ansprechen nach drei Monaten erreicht sein [1,4].

2. Zytogenetisches Ansprechen (Chromosomenanalyse)

Für die zytogenetische Untersuchung wird eine Probe des Knochenmarks, z. B. am Beckenknochen, entnommen (Knochenmarkpunktion). Die Untersuchung der gewonnenen Zellen gibt Aufschluss darüber, ob das Philadelphia-Chromosom oder andere für die Krankheit verantwortliche Erbgutveränderungen noch nachweisbar sind. Ist dies nicht der Fall, spricht man von einer vollständigen zytogenetischen Remission [4]. Dies sollte bei optimalem Ansprechen nach sechs Monaten erreicht sein [1,4].

3. Molekulares Ansprechen (BCR-ABL-Wert)

Bei dieser Untersuchung wird geprüft ob oder in welcher Menge sich noch Leukämiezellen im Körper befinden, die das BCR-ABL-Gen tragen. Dazu wird anhand einer Blutprobe eine so genannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt. Die gute molekulare Remission ist erreicht, wenn der BCR-ABL-Wert unter 0,1 % liegt. Dies sollte bei optimalem Ansprechen nach 12 Monaten erreicht sein und im weiteren Verlauf danach erhalten bleiben [1].

Das molekulare Ansprechen hat für die langfristige Prognose eine wesentliche Bedeutung. Lesen Sie hierzu auch „CML auf dem Weg zur Therapiefreiheit?“.

Das Ansprechen auf die Therapie ist für die Prognose wichtig

Das Therapieansprechen ist derzeit die wichtigste Grundlage für die Prognose [2]. Das Ansprechen wird danach bewertet, ob das Blutbild und später der BCR-ABL-Wert nach 3, 6 und 12 Monaten einen jeweils definierten Wert erreichen (siehe Abb. 1) [4]. Patienten mit diesem optimalen Ansprechen haben Aussichten auf den bestmöglichen Langzeitverlauf der Erkrankung, d. h. auf eine normale Lebenserwartung [1].

Abb. 1: Die Stufen der Remission geben Aufschluss darüber, wie gut der CML-Patient auf die Therapie anspricht. Das Schema zeigt den idealen Verlauf*. Partiell bedeutet, das Ziel wurde noch nicht ganz erreicht, aber es ist schon eine Verbesserung messbar. Komplett heißt, das Ziel wurde vollständig erreicht. [3]

Abb. 1: Die Stufen der Remission geben Aufschluss darüber, wie gut der CML-Patient auf die Therapie anspricht. Das Schema zeigt den idealen Verlauf*. Partiell bedeutet, das Ziel wurde noch nicht ganz erreicht, aber es ist schon eine Verbesserung messbar. Komplett heißt, das Ziel wurde vollständig erreicht. [3]

Therapieziele in fortgeschrittenen Phasen der CML-Erkrankung

Befindet sich die Erkrankung in der akzelerierten Phase, ist das Ziel, die Erkrankung in die chronische Phase zurückzuführen. Je nach individueller Situation ist ein möglicher therapeutischer Ansatz, auf ein Präparat mit einem anderen Tyrosinkinasehemmer zu wechseln oder eine Stammzelltransplantation in Erwägung zu ziehen [1, 2].

In der Blastenkrise wird zunächst versucht, der massive Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut durch Chemotherapie zu reduzieren. Anschließend kann je nach individueller Verfassung und Situation eine Therapie mit Tyrosinkinasehemmern folgen oder eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden. [1, 4]

* Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Daher kann Ihr Therapieverlauf von dieser idealen Darstellung abweichen. Fragen Sie Ihren Arzt – er kann Ihnen sagen, was in Ihrem Fall der für Sie optimale Verlauf ist.

Stand: 2013, Cornelia Dietz
Teaser: Linktitel: 
Therapieziel bei CML
Quellen:

[1] Chronische myeloische Leukämie, ELN-Update 2013 – Empfehlungen zum Therapiemanagement, Thieme Verlag, Leitlinie kompakt 2013;1(2):1-16
[2] Baccarani M et al. European LeukemiaNet recommendations for the management of chronic myeloid leukemia: 2013. Blood. 2013 Aug 8;122(6):872-84
[3] Baccarani M, Cortes J, Pane F, et al. Chronic myeloid leukemia. An update of concepts and management Recommendations of the EuropeanLeukemiaNet. J Clin Oncol. 2009
[4] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Chronische myeloische Leukämie (Stand: Januar 2013)