Diagnose chronische myeloische Leukämie (CML) − erste Fragen

Sie haben die Diagnose CML erhalten und fragen sich vielleicht: Was ist das für eine Krankheit, wie geht es weiter? Der Artikel führt Sie durch das Angebot der Informationen und hilft, sich schnell ein Grundwissen aufzubauen.

Wenn Sie die Diagnose chronische myeloische Leukämie (CML) erhalten haben, tauchen sicherlich viele Fragen auf: Was ist eine chronische myeloische Leukämie überhaupt? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie geht es jetzt für mich weiter?
In diesem Artikel finden Sie erste Informationen rund um die chronische myeloische Leukämie sowie weiterführende Links. Am Ende des Textes finden Sie außerdem eine Checkliste zum Ausdrucken, die Ihnen Anhaltspunkte für das Gespräch mit Ihrem Arzt geben möchte.

Was ist eine chronische myeloische Leukämie?

Die chronische myeloische Leukämie ist eine seltene Form von Blutkrebs [1]. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 1.200 Menschen an CML [2]. Der Begriff Leukämie bedeutet übersetzt „weißes Blut". Bei den Patienten kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von speziellen weißen Blutkörperchen (Leukozyten), den so genannten Granulozyten, im Blut und Knochenmark [3]. Bei Diagnose liegen oft um 500.000 weiße Blutkörperchen in einem Millionstel Liter (Mikroliter = µl) Blut vor [4]. Zum Vergleich: Bei gesunden Menschen befinden sich 4.000–9.000 weiße Blutkörperchen pro Mikroliter Blut [5].

Für Sie zum Weiterlesen:

Video: Einführung in die Entstehung und Symptome der CML.

Welche Ursachen hat die Krankheit?

Eine chronische myeloische Leukämie entsteht in den meisten Fällen aufgrund einer Veränderung im Erbgut einer blutbildenden Stammzelle, die jederzeit während des Lebens auftreten kann. Die Folge dieser >Mutation ist ein krankhaft verändertes Chromosom, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Ist dieses Chromosom entstanden, kann der Körper ein Eiweiß bilden, das normalerweise im menschlichen Organismus nicht vorkommt. Dieses sorgt für die unkontrollierte Vermehrung der weißen Blutkörperchen – es entsteht eine CML. [1,6]

Für Sie zum Weiterlesen:

Durch welche Untersuchungen wird die CML diagnostiziert?

Liegt ein Verdacht auf eine chronische myeloische Leukämie vor, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen veranlassen, um die Krankheit eindeutig zu diagnostizieren: [2]

  • Durch eine körperliche Untersuchung kann er z. B. feststellen, ob die Milz vergrößert ist – dies kann ein Hinweis auf CML sein.
  • Im Rahmen einer Blutuntersuchung wird das Blutbild auf Abweichungen hin überprüft, die für eine CML typisch sind.
  • Bei einer Untersuchung des Knochenmarks entnimmt der Arzt eine Knochenmarkprobe und kontrolliert, welche Zellen in welcher Menge vorhanden sind. Darüber hinaus wird überprüft, ob in den Knochenmarkszellen das krankheitstypische Philadelphia-Chromosom nachweisbar ist.
  • Außerdem kann in einer Blutprobe überprüft werden, wie viel von dem Eiweiß (BCR-ABL) gebildet wird, welches durch das Philadelphia-Chromosom entsteht. Dieser Wert ist später für die Kontrolle des Behandlungserfolgs wichtig. 

Körperliche Untersuchung und Blutuntersuchung können Hinweise auf eine CML liefern. Doch nur durch die Knochenmarkuntersuchungen ist eine sichere Abgrenzung von anderen Blutkrankheiten möglich.

Für Sie zum Weiterlesen:

Wie verläuft eine CML?

Bei der chronischen myeloischen Leukämie werden drei aufeinanderfolgende Krankheitsphasen unterschieden. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, schreitet die CML über diese Phasen hinweg fort und führt letztlich zum Tod. Die Phasen heißen chronische Phase, akzelerierte Phase und Blastenkrise und weisen jeweils typische Merkmale auf. [6]

Für Sie zum Weiterlesen:

Wie kann eine CML behandelt werden?

Für die Therapie der CML stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die teilweise auch in Kombination angewendet werden. Dies sind zum einen Medikamente und zum anderen in besonderen Fällen die Stammzelltransplantation [2].

Durch Medikamente wie Tyrosinkinasehemmer oder Interferone kann eine Verschlechterung der Krankheit verhindert werden. In bestimmten Situationen wird auch eine Chemotherapie eingesetzt. Das vorrangige Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Der Patient soll stabil in der chronischen Phase gehalten werden. Der Arzt wird zusammen mit Ihnen daher die Therapie so auswählen, dass die Leukämiezellen durch die Behandlung dauerhaft zurückgedrängt werden und möglichst rasch eine Besserung des Blutbilds erreicht wird. [2]

Wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt oder in bestimmten Einzelfällen kann eine Stammzelltransplantation in Frage kommen. Bei einer Stammzelltransplantation werden zunächst die entarteten Stammzellen im Knochenmark des Patienten zerstört und im Anschluss durch neue, gesunde Stammzellen eines Spenders ersetzt. Diese Behandlungsform kann für den Patienten eine Heilung bringen, ist jedoch mit hohen Risiken verbunden. [7]

Für Sie zum Weiterlesen:

Wie sind die Aussichten?

Dank der modernen Therapiemöglichkeiten hat sich die CML von einer unmittelbar lebensbedrohlichen zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Die CML ist in vielen Fällen gut kontrollierbar und die Patienten können daher oft über viele Jahre ein fast normales Leben führen. [6]

Um den bestmöglichen Erfolg der Behandlung zu erreichen, ist es wichtig, dass regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Dadurch lassen sich Veränderungen im Therapieverlauf frühzeitig erkennen. Der Arzt kann dann entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Derzeit wird in klinischen Studien geprüft, ob in günstigen Fällen ein stabiler Krankheitsrückgang erreicht werden kann, der eventuell ein Absetzen der Therapie erlaubt [2].

Für Sie zum Weiterlesen:

Wo bekomme ich mehr Informationen?

Weiterführende Informationen über CML finden Sie hier:

Klären Sie alle offenen Fragen mit Ihrem Arzt

Alle diese Informationen können Ihnen helfen, ersetzen aber ein ausführliches Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt nicht. Mit ihm gemeinsam werden Sie Ihre Therapie planen und er wird in allen Phasen Ihrer Erkrankung Ihr Ansprechpartner sein.

Zum Zeitpunkt der Diagnose haben Sie sicher noch eine ganze Menge Fragen. Es ist sehr wichtig, diese zu klären, damit Sie sich mit Ihrer Erkrankung auseinandersetzen können und möglichst alle Unsicherheiten beseitigen. Unsere Checkliste möchte Ihnen einige Anhaltspunkte für das Gespräch mit Ihrem Arzt geben. Einfach herunterladen und ausdrucken:

Checkliste

Stand: 2014, Christopher Dietrich
Teaser: Linktitel: 
CML gut erklärt
Quellen:


[1] Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber 20. Leukämie bei Erwachsenen (Stand: Juli 2013)
[2] Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie: Chronische myeloische Leukämie (Stand: Januar 2013). http://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/cml (zuletzt besucht am 08.08.2014)
[3] Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe (DLH): Info-Blatt: Chronische myeloische Leukämie (Stand: April 2014)
[4] http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/cml/index_ger.html (zuletzt besucht am 11.08.2014)
[5] http://www.medizinfo.de/haematologie/anatomie/leukozyten.shtml (zuletzt besucht am 11.08.2014)
[6] Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe (DLH): Chronische myeloische Leukämie – Ratgeber für Patienten (Stand: April 2012) [7] http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/behandlung.php#inhalt12 (zuletzt besucht am 11.08.2014)