Neue Behandlungsmethoden haben der CML viel von ihrem Schrecken genommen. Aus einem tödlichen Blutkrebs ist eine chronische Krankheit geworden.
Seit der Einführung der Tyrosinkinasehemmer haben sich die Behandlungsaussichten bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) – einer Form des Blutkrebses – drastisch verbessert. Die Erfolgsaussichten steigen, je früher mit der Therapie begonnen wird.
Grundsätzlich gilt für alle CML-Behandlungsverfahren: Die Erfolgsaussichten sind umso höher, je frühzeitiger mit der Therapie begonnen wird. Eine Behandlung, die noch während der chronischen Phase der Erkrankung beginnt, ist im Durchschnitt also erfolgreicher als eine, die erst im Stadium der Akzelerationsphase oder der Blastenkrise einsetzt. Auch wenn heutzutage erheblich bessere Behandlungsaussichten bestehen als noch vor wenigen Jahren, sollte die Behandlung deshalb nicht unnötig verzögert werden.
Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Unbehandelt führt sie in der Regel binnen drei bis fünf Jahren zum Tod. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden erste Fortschritte hinsichtlich der Behandlung der CML gemacht. Durch den Einsatz von Chemotherapeutika etwa ab Mitte der 1950er Jahre konnte das Überleben der Patienten zunächst nur geringfügig verlängert werden.
Fortschritte brachte die Behandlung mit Interferon alpha seit den frühen 1980er Jahren, zum Teil in Kombination mit geeigneten Chemotherapeutika.
Mit der Stammzelltransplantation stand seit 1975 erstmals ein Behandlungsverfahren zur Verfügung, das die CML potenziell heilen kann. Allerdings hat die Stammzelltransplantation aufgrund ihrer Belastungen und der Schwierigkeit, einen geeigneten Spender zu finden, stets nur für einen Teil der CML-Patienten eine Behandlungsoption dargestellt. Bis heute ist sie mit einer erheblichen Sterblichkeit verbunden.
Erfahren Sie mehr über die Wirkweise eines Tyrosinkinasehemmers.
Einen bedeutsamen Fortschritt in der Behandlung der CML bedeutete die Erprobung und Einführung eines speziellen Tyrosinkinasehemmers. Erstmals in der Geschichte der Behandlung von Krebs war ein Wirkstoff entwickelt worden, der gezielt die krebsauslösenden Prozesse in den erkrankten Körperzellen angreift. Die Erfolge der neuen Behandlung waren so durchschlagend, dass noch während der Erprobung des Medikaments die Mehrzahl der CML-Patienten, die zu Vergleichszwecken mit einer Interferonkombinationstherapie behandelt worden waren, auf das neue Medikament umgestellt wurde. Dieser Wirkstoff entspricht heute der Standardtherapie bei CML.
Die Ergebnisse nach sechsjähriger Therapie sprechen eine deutliche Sprache. Nahezu 9 von 10 Patienten sind nach sechs Jahren unter der Standardtherapie noch am Leben. 82% der CML-Patienten zeigen nach sechs Jahren ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen.
Darüber hinaus ist im sechsten Therapiejahr unter der Standardtherapie kein Fortschreiten der Krankheit in die Akzelerationsphase oder die Blastenkrise festzustellen. Der Übergang in die fortgeschrittenen Krankheitsphasen wird mit zunehmender Behandlungsdauer immer seltener.
Die Standardtherapie mit dem speziell entwickelten Tyrosinkinasehemmer führt nicht zur Heilung der CML, aber sie hat die Bedrohlichkeit dieser Erkrankung enorm verringert. Das Medikament muss nach heutigem Kenntnisstand lebenslang eingenommen werden, um ein Wiederaufflackern der CML zu verhindern und die Entwicklung von resistenten Leukämiezellen zu vermeiden, die nicht mehr auf die Therapie ansprechen. Die Betroffenen müssen sich deshalb auf ein Leben mit Medikamenten einstellen. In den meisten Fällen kommt es dadurch aber kaum zu Einschränkungen für die Patienten. Sie können ein ganz normales Leben führen.
Bei einem geringen Teil der CML-Patienten zeigt die Behandlung mit dem Wirkstoff der Standardtherapie nicht die erwünschte Besserung oder verliert ihre Wirkung. Hintergrund dieses Phänomens sind häufig spezielle Veränderungen am Bcr-Abl Eiweiß, die verhindern können, dass der Wirkstoff wirkt. In diesem Fall spricht man von Wirkstoff-Resistenz. Außerdem gibt es eine kleine Gruppe von CML-Patienten, welche die Therapie schlecht vertragen und deshalb das Medikament dauerhaft absetzen müssen (Wirkstoff-Unverträglichkeit). Für erwachsene CML-Patienten mit Resistenz oder Unverträglichkeit stehen alternative Tyrosinkinasehemmer zur Verfügung.
Für Patienten mit CML stehen somit verschiedene wirkungsvolle Therapien zur Verfügung, die an die besondere Gesundheitssituation der Betroffenen und den jeweiligen Verlauf der Erkrankung angepasst werden können. Auch wenn sie, mit Ausnahme der Stammzelltransplantation, keine endgültige Heilung der CML bewirken können, ermöglichen sie doch in der Mehrzahl der Fälle ein langes und gutes Leben mit der Erkrankung.