In der Mehrzahl der Fälle kann eine Stammzelltransplantation bei CML-Patienten eine Heilung zur Folge haben. Doch bis zur völligen Wiederherstellung sind einige kritische Phasen zu überstehen.
Während der Vorbereitung auf die Stammzelltransplantation wird das Blutbildungssystem des Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) durch Chemotherapie oder Bestrahlung stark geschädigt. Dieser Prozess (Konditionierung) findet etwa sieben bis zehn Tage vor der eigentlichen Stammzellübertragung statt, wenn der Patient bereits stationär auf die Transplantationsstation der Klinik aufgenommen wurde.
Das alte Blutbildungssystem wird durch die Konditionierung entweder vollständig zerstört, oder es überleben - im Fall einer so genannten intensitätsverminderten Konditionierung (RIC) - nur so wenige Zellen, dass diese anschließend vom neu entstehenden Abwehrsystem beseitigt werden.
Zum Zeitpunkt der eigentlichen Stammzellübertragung verfügt der Patient daher nur noch über ein äußerst geschwächtes Abwehrsystem. Außerdem werden keine Blutplättchen mehr gebildet, und es besteht eine erhöhte Blutungsgefahr. Auch rote Blutkörperchen entstehen nicht mehr neu, doch dieser Mangel macht sich erst nach etwas längerer Zeit bemerkbar.
Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen sind in dieser Phase lebensbedrohlich. Die Patienten werden deshalb in speziell abgeschirmten Räumen behandelt und durch Medikamente so gut wie möglich vor Ansteckungen geschützt.
Erst nach etwa zwei Wochen haben sich die übertragenen Stammzellen im Knochenmark angesiedelt und beginnen mit der Produktion von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und dem Aufbau des neuen Abwehrsystem. Binnen weiterer zwei bis vier Wochen vermehren sich die Leukozyten so stark, dass die Patienten wieder einigermaßen gut vor Infektionen geschützt sind und nach Hause entlassen werden können.
In der ersten Zeit müssen dabei jedoch noch recht strenge Vorsichtsregeln beachtet werden. Das betrifft etwa den Umgang mit Nahrungsmitteln, bei dem streng auf Hygiene geachtet werden muss. Zudem sollten Pflanzen und Erde aus dem Lebensbereich verbannt und Menschenansammlungen zunächst gemieden werden.
Hintergrund dieser Maßnahmen ist, dass das neue Abwehrsystem - ähnlich wie das eines Neugeborenen - erst lernen muss, sich mit Keimen aus der Umwelt auseinanderzusetzen. Etwa nach zwei Jahren ist dieser Lernprozess abgeschlossen, und die Patienten können in jeder Hinsicht wieder ein ganz normales Leben führen.
Nach der Transplantation können sich - insbesondere bei mangelnder HLA-Überstimmung zwischen Spender und Empfänger - die transplantierten Zellen gegen die Zellen des Empfängers richten. Dieser Prozess wird als Graft-versus-Host-Reaktion (GvH-Reaktion, Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion) bezeichnet und stellt eine schwerwiegende Komplikation der Stammzelltransplantation dar.
Es lassen sich eine akute und eine chronische GvH-Reaktion unterscheiden. Die akute GvH-Reaktion setzt noch während des Klinikaufenthalts ein. In leichterer Form kann sie mit Medikamenten behandelt werden, die das Abwehrsystem dämpfen (Immunsuppressiva). Damit wird jedoch zugleich die Infektionsgefahr erhöht. Außerdem ist es durchaus erwünscht, dass sich das neue Abwehrsystem gegen eventuell noch im Körper verbliebene Leukämie-Zellen richtet und diese endgültig beseitigt. Akute GvH-Reaktionen klingen oft innerhalb von etwa drei Monaten ab.
Bei einer chronischen GvH-Reaktion reagiert das neue Abwehrsystem verzögert auf den Körper des Empfängers, bekämpft diesen dann aber anhaltend. Auch in diesem Fall werden Immunsuppressiva eingesetzt, um die GvH-Reaktion unter Kontrolle zu bringen.
In einigen Fällen kommt es vor, dass Leukämie-Zellen die Konditionierung im Vorfeld der Stammzellübertragung überleben. Die Leukämie kann also auch nach einer erfolgreichen Stammzelltransplantation erneut auftreten. Neben Behandlungsversuchen mit Medikamenten ist es jedoch möglich, die Stammzelltransplantation - inklusive einer erneuten Konditionierung - zu wiederholen.
Eine weitere mögliche Komplikation einer Stammzelltransplantation ist, dass die übertragenen Zellen sich nicht beim ersten Versuch im Knochenmark ansiedeln und mit dem Aufbau eines neuen blutbildenden Systems beginnen. Auch in diesem Fall besteht die Möglichkeit, die Transplantation zu wiederholen.