Während Ihrer Behandlung mit einem Tyrosinkinasehemmer sollten Sie die vorgegebenen Kontrolluntersuchungen wie hämatologische und zytogenetische Untersuchung sowie PCR unbedingt einhalten. Sie ermöglichen dem Arzt, den Therapieverlauf zu kontrollieren.
Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig und dienen dazu, Rückfälle, Begleiterkrankungen oder mögliche Folgeschäden der Behandlung frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Sie ermöglichen dem Arzt, den Verlauf der Therapie mit Tyrosinkinasehemmern zu kontrollieren. Dazu stehen verschiedene Untersuchungsverfahren zur Verfügung.
Bei der sogenannten hämatologischen Untersuchung wird das Blutbild regelmäßig (üblicherweise alle zwei Wochen bis zur Normalisierung der Blutwerte) auf die normale Zellzahl und das normale Verhältnis der Zellen untereinander untersucht. Eine Verringerung der im Blut befindlichen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Laufe der Behandlung zeigt, dass Sie auf die Behandlung ansprechen.
Um noch verlässlichere Aussagen zum Erfolg der Therapie treffen zu können, wird in größeren Abständen (ca. alle sechs Monate) eine zytogenetische Untersuchung (Chromosomenanalyse) durchgeführt. Dabei entnimmt Ihnen der Arzt unter örtlicher Betäubung Knochenmark, in der Regel aus dem Hüftknochen. Kann kein Knochenmark gewonnen werden, ist es in Ausnahmefällen auch möglich, die Untersuchung mittels des sogenannten FISH-Verfahrens vorzunehmen. Dabei wird eine gewöhnliche Blutprobe nach einem speziellen Verfahren aufbereitet und anschließend analysiert.
Die Untersuchung des Knochenmarks beziehungsweise des Bluts gibt Aufschluss darüber, wie sich das Verhältnis von Zellen mit unveränderten Chromosomen zu krankhaften (entarteten) Zellen verändert hat. Eine verhältnismäßige Zunahme der „gesunden" Zellen ist ein sicheres Zeichen für erfolgreiche Therapie. Wenn keine entarteten Zellen mehr nachweisbar sind, erfolgt die Chromosomenanalyse i. d. R. nur noch jährlich.

Abbildung nach einer zytogenetischen Untersuchung des Knochenmarks (CML-typische Veränderung an Chromosomen 9 und 22).
Zusätzlich wird ca. alle drei Monate eine molekularbiologische Untersuchung (PCR) durchgeführt. Hier kann mithilfe einer geringen Menge Blut festgestellt werden, ob und in welcher Menge sich noch Leukämiezellen im Körper befinden. Dazu wird das im Blut enthaltene Erbmaterial vervielfältigt und analysiert. Diese äußerst genaue Messmethode gibt daher nicht nur Aufschluss über das Ansprechen und den Verlauf der Therapie, sondern ermöglicht auch zu einem sehr frühen Zeitpunkt das Erkennen von Veränderungen, die eine Therapieoptimierung notwendig machen können.
Die molekularbiologische Untersuchung (PCR) weist eine sehr hohe Genauigkeit auf. Mit ihrer Hilfe kann der Arzt auch bei einer sehr weit zurückgedrängten CML noch bestimmen, wie hoch die Resterkrankung ist, während bei einer FISH-Untersuchung vermutlich nichts mehr gefunden würde. Der Vorteil der PCR gegenüber der zytogenetischen Untersuchung des Knochenmarks besteht darin, dass bereits eine kleine Blutmenge ausreicht, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.
Die zytogenetische Knochenmarksuntersuchung hat den Nachteil, dass sie sehr aufwändig ist und relativ lange dauert. Dafür sind durch sie krankhafte Veränderungen an allen Chromosomen erkennbar, während die schnell durchzuführende FISH-Analyse nur die Chromosomen 9 und 22 anzeigt, die für die CML relevant sind.
Dank der regelmäßigen Kontrolle durch Nachsorgeuntersuchungen kann Ihr Arzt feststellen, ob sich eventuell noch einzelne Leukämiezellen in Ihrem Körper befinden. Da diese einen Rückfall auslösen könnten, handelt es sich bei diesen Untersuchungen auch um eine Form von Früherkennung. Sie sind enorm wichtig, um gegebenenfalls sehr frühzeitig mit einer Behandlung darauf reagieren zu können.