Chronisch oder akut, myeloisch oder lymphatisch - die verschiedenen Formen der Leukämie

15.07.2010

Leukämie beschreibt nicht eine einzelne Erkrankung, sondern steht als Sammelbegriff für bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems. Alle Arten der Leukämie sind gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Erhöhung der weißen Blutkörperchen im Blut.

Blut besteht aus Blutzellen wie roten Blutkörperchen, Blutplättchen und weißen Blutkörperchen. Da Blutzellen nur eine begrenzte Lebensdauer haben, müssen sie ständig neu gebildet werden. Alle Blutzellen entstehen aus Vorläuferzellen (Blasten) im Knochenmark, unabhängig von ihrer späteren Funktion.

Der größere Teil der Vorläuferzellen reift
weiter im Knochenmark bis zu ihrer fertigen, funktionsfähigen Form (myeloische Zellen). Ein kleinerer Teil reift in den sogenannten lymphatischen Geweben wie z. B. Lymphknoten oder Milz (lymphatische
Zellen).

Bei der Leukämie ist die Ausreifung der weißen Blutkörperchen gestört und sie vermehren sich unkontrolliert.

 

Leukämie - der "weiße Blutkrebs"

Der Begriff Leukämie beschreibt nicht eine einzelne Erkrankung, sondern steht als Sammelbegriff für bösartige (maligne) Erkrankungen des blutbildenden Systems. Leukämie heißt übersetzt "weißes Blut", da bei diesen Erkrankungen meist zu viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten = weiße Zellen) im Blut vorliegen. Die verschiedenen Leukämien unterscheiden sich hinsichtlich Häufigkeit, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Heilungsaussichten zum Teil stark voneinander.

Die häufigsten Leukämieformen sind:

  • AML (akute myeloische Leukämie)
  • ALL (akute lymphatische Leukämie)
  • CML (chronische myeloische Leukämie)
  • CLL (chronische lymphatische Leukämie)

Myeloische Leukämien (griech. myelon = Mark) gehen von Vorläuferzellen der Granulozyten im Knochenmark aus, lymphatische Leukämien von Vorläuferzellen im Lymphsystem. Die CML ist z. B. gekennzeichnet durch eine besonders starke Vermehrung der weißen Blutkörperchen, speziell der Granulozyten oder ihrer Vorläuferzellen.

Leukämien sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen, wie z. B. der Brust, des Dickdarms oder der Lunge, relativ selten. In Deutschland machen sie etwa 3 % aller Tumorerkrankungen aus (weitere Informationen zur Häufigkeit von CML).

 

Zu viele weiße Blutkörperchen im Blut

Ursache der Leukämie ist eine Veränderung des Erbgutes (bei CML das so genannte Philadelphia-Chromosom) in Stammzellen der betroffenen Blutzellen. Die veränderten (entarteten) weißen Blutkörperchen wachsen und vermehren sich unkontrolliert. Die Leukämiezellen können in großer Zahl ins Blut ausgeschwemmt werden. Dadurch werden die „normale" Blutbildung unterdrückt und die gesunden Blutzellen förmlich verdrängt. Als Folge davon liegen zu wenig gesunde Blutzellen, wie rote Blutkörperchen und Blutplättchen vor, die ihre natürlichen Funktionen (Stoppen von Blutungen, Sauerstofftransport, u. a.) nicht ausreichend erfüllen können.

Je nach Art der Leukämie befinden sich die Krebszellen zudem in einem unreifen Zustand (leukämische Blasten), d. h. in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung zur reifen, funktionsfähigen Zelle. Diese krankhaften Blutzellen können ihre natürliche Funktion im Immunsystem nicht übernehmen.

 

Chronische und akute Leukämien


Chronische Leukämie

Kennzeichen der chronischen Leukämien (wie CML oder CLL) sind:

  • Sie beginnen schleichend.
  • Sie werden häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt.
  • Das Blutbild verändert sich nur langsam.
  • Symptome treten häufig erst nach Jahren auf.

Chronische Leukämien sind gekennzeichnet durch eine hohe Zahl relativ ausgereifter myeloischer oder lymphatischer Zellen. Diese Zellen zirkulieren im Blut, sind aber eventuell auch im Knochenmark, in den Lymphknoten und vor allem in der Milz und in der Leber zu finden.


Akute Leukämie

Bei einer akuten Leukämie (wie AML oder ALL)

  • erfolgt die Störung des Blutbildes rasch und drastisch,
  • führt die Erkrankung schnell zu Beschwerden (allgemeine Schwäche, Blässe, Fieber, Nachtschweiß oder Entzündung der Mundschleimhaut).

Die Störung der Blutbildung im Knochenmark hat eine starke Vermehrung unreifer Zellen zur Folge, d. h. die Entartung hat zu einem frühen Zeitpunkt des Reifeprozesses stattgefunden. Die Zellen sind dann nicht voll funktionstüchtig.

Wenn bei einer akuten Leukämie nicht bald mit einer Behandlung begonnen wird, verdrängen die unausgereiften Zellen die normale Blutbildung, so dass die Erkrankung sehr schnell voranschreitet und schon nach wenigen Wochen zum Tode führen kann.

 

Myelodysplastische Syndrome (MDS) und seltene Leukämieformen

Neben den chronischen und akuten Leukämien gibt es noch einige seltenere Leukämieformen. Auch Vorstufen von Leukämien, die sogenannten myelodysplastischen Syndrome (MDS), sind bekannt. Letztere können, müssen aber nicht, in eine Leukämie übergehen. Mehr Informationen zu MDS finden Sie unter www.leben-mit-transfusionen.de.

 

Weiterführende Informationen über CML

Auf der Webseite www.leben-mit-cml.de können Sie sich ausführlich über die Leukämieform CML informieren.
Eine CML wird häufig zufällig entdeckt. Sie entwickelt sich schleichend und verläuft in drei Phasen. Ziel der Therapie ist es, ein Fortschreiten in die nächste Krankheitsphase zu verhindern. Mit so genannten Tyrosinkinasehemmern ist die CML heute meist gut behandelbar. Voraussetzung für den Therapieerfolg ist - wie auch bei anderen Erkrankungen - dass die Therapie konsequent eingehalten und die Medikamente regelmäßig genommen werden.

Quellen: Patientenbroschüre "Leben mit CML", Krebsinformationsdienst, Springer Wörterbuch Medizin, 2. Aufl., Kompetenznetz Leukämie, Leukämie-online
Stand: 21.10.09
Autor: Cornelia Dietz

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