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Blutbildung und CML

17.08.2009

Wo wird das Blut gebildet, welche Aufgaben erfüllt es und welche Unregelmäßigkeiten in der Blutbildung können bei einer CML auftreten? Die Antworten auf diese Fragen können Ihnen helfen, die Ursache dieser Leukämie und deren Behandlung besser zu verstehen.

Das Blut zählt zu den Körperflüssigkeiten und erfüllt eine Vielzahl von Funktionen für den menschlichen Organismus. Je nach Größe und Gewicht zirkulieren bei erwachsenen Menschen zwischen vier und sieben Liter Blut im Körper, welches vom Herzen durch die Blutgefäße, also Arterien und Venen, gepumpt wird.

 

Funktionen des Blutes

Das Blut transportiert lebenswichtige Substanzen wie Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone und andere Wirkstoffe durch den Körper und versorgt damit das Gewebe und die Organe. Zudem übernimmt es den Abtransport von Stoffwechsel- und Abfallprodukten, die der Körper nicht mehr benötigt, zum Beispiel Kohlendioxid, Harnstoff und Harnsäure.

Darüber hinaus reguliert das Blut die Körpertemperatur und den pH-Wert und hält den Wasser- und Elektrolythaushalt aufrecht. Weitere wichtige Schutzfunktionen des Blutes als Teil des Immunsystems sind Aufgaben im Bereich der Abwehr gegen Krankheitserreger und andere Fremdkörper.

 

Die Bestandteile des Blutes

Das Blut setzt sich aus dem Blutplasma und festen Blutbestandteilen (Hämatokrit) zusammen. Blutplasma besteht zu 90 bis 95 Prozent aus Wasser. Den übrigen Teil machen gelöste Stoffe aus, unter anderem Bluteiweiße und Elektrolyte. Der Hämatokrit setzt sich aus den unterschiedlichen Blutzellen zusammen. Dies sind:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten): Sie sind für den Sauerstofftransport zuständig und enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin).
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Diese sind ein Teil der Immunabwehr.
  • Blutplättchen (Thrombozyten): Sie sorgen für die Blutgerinnung.

Ein sogenanntes normales Blutbild, das der Arzt durch ein Labor erstellen lassen kann, gibt Auskunft über die Häufigkeit dieser Bestandteile im untersuchten Blut. Bei gesunden Menschen weist es ungefähr folgende Zusammensetzung auf (ein μl entspricht einem Millionstel Liter, ein dl einem Zehntel Liter):

 

Erythrozyten 4,5–6,0 Mio/µl
Thrombozyten 150.000–300.000/µl
Leukozyten 4.000–9.000/µl
Hämoglobin Männer 14–18 g/100 dl; Frauen 12–16 g/100 dl
Hämatokrit-Wert (Verhältnis Blutzellen/Blutplasma) Männer 47–53 %, Frauen 40–48 %

Tab. 1: Normales Blutbild (Quelle: Patientenratgeber CML: Leben mit CML)


Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Hauptaufgabe der weißen Blutkörperchen, auch Leukozyten genannt, ist die Abwehr von Krankheitserregern. Der Name „weiße Blutkörperchen" leitet sich von der Tatsache ab, dass Leukozyten unter dem Mikroskop hell bis weiß erscheinen. Weiße Blutkörperchen sind gewissermaßen die Blutpolizei. Sie machen Krankheitserreger unschädlich und schützen so den Körper vor Infektionen. Sie spielen eine wesentliche Rolle bei Entzündungen, bakteriellen Infektionen und Wurminfektionen sowie bei allergischen Reaktionen und den Autoimmunkrankheiten, bei denen der Körper fälschlicherweise eigene Zellen und Gewebe angreift.
Die weißen Blutkörperchen werden unterteilt in:

  • Neutrophile Granulozyten (50–80 % der Leukozyten)
  • Eosinophile Granulozyten (2–4 %)
  • Basophile Granulozyten (0,5–1 %)
  • Monozyten (2–8 %)
  • Lymphozyten (25–40 %)


Durch die Anfertigung eines sogenannten Differenzialblutbilds kann man die Anzahl der einzelnen Leukozytenarten und deren Mengenverhältnis zueinander bestimmen

Die Granulozyten haben ihren Namen von den anfärbbaren Körnchen (Granula) in ihrem Zellleib. Da sie in der Lage sind, im Blut befindliche Fremdkörper in sich aufzunehmen und zu zersetzen (Phagozytose), werden sie auch als „Fresszellen" bezeichnet.

 

Stammzellen sind der Ausgangspunkt der Blutbildung

Der Ort, an dem die Mehrzahl der Blutzellen ständig neu gebildet wird, ist das Knochenmark. Es befindet sich u. a. in folgenden Knochen:

  • Wirbelkörper
  • Hüfte
  • Schultern
  • Rippen
  • Schädel
  • Brustbein

Die Mehrzahl der Blutkörperchen wird im Knochenmark gebildet. Weitere Orte der Blutbildung sind die Thymusdrüse und die Milz (im Kindesalter) sowie das Lymphgewebe (wie Lymphknoten).

Die Stammzellen sind der Ausgangspunkt der Blutbildung. Stammzellen sind so etwas wie „Ursprungszellen": Sie können sich unbegrenzt vermehren und über verschiedene Zwischenstufen zu allen Zelltypen, so auch zu allen drei Formen der Blutzellen - roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen - ausdifferenzieren (sog. pluripotente Zellen). Die reifen Blutzellen werden aus dem Knochenmark freigesetzt und übernehmen ihre Funktion im Körper.

Bei einem gesunden Menschen entwickeln sich von jeder Form von Blutzellen genau so viele, wie gerade benötigt werden. Bei Infektionen stellt der Körper z. B. vermehrt weiße Blutkörperchen her, während er bei Sauerstoffmangel verstärkt rote Blutkörperchen produziert.

Blutbildung
Abb. 1: Normale Blutbildung (Hämatopoese)          

 

Blutbildung bei CML
Abb. 2: Blutbildung (Hämatopoese) bei CML

 

Was hat die Blutbildung mit CML zu tun?

Wenn die Produktion von Blutzellen gestört wird und ungeregelt abläuft, kann es zu einer Leukämie kommen. Bei einer CML tritt ein unkontrolliertes Wachstum der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark auf, insbesondere der neutrophilen Granulozyten. Infolge der Erkrankung können die Anzahl dieser Blutbestandteile und deren Vorformen (Blasten) in Blut und Knochenmark so stark zunehmen, dass die Blutbildung aus dem Gleichgewicht gerät. Die anderen Blutbestandteile werden durch diese krankhaft erhöhte Leukozyten-Produktion förmlich verdrängt. Dadurch kann das Blut seine Aufgaben nicht mehr, beziehungsweise nur noch vermindert wahrnehmen.

Durch die zunehmende Verdrängung der gesunden Blutbildung aus dem Knochenmark kommt es vermehrt zur sogenannten extramedullären Blutbildung (außerhalb des Knochenmarks) in der Milz und später auch in der Leber. Hierdurch kann es bei CML zur Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) oder beider Organe (Hepatosplenomegalie) kommen.

Mit einer Tyrosinkinasehemmer-Therapie wird die unkontrollierte Bildung weißer Blutkörperchen gestoppt, sodass sich das Blutbild wieder normalisieren kann. Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, dass die Medikamente nach Anweisung des Arztes eingenommen werden.

 

Quelle: Patientenratgeber „Leben mit CML“
Stand: 01.07.09
Autor: Torben Riener, Dr. med. Martina Waitz

Dies ist ein Service von Novartis Oncology.
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