Der Erfolg einer CML-Therapie hängt von der Therapietreue ab

17.06.2009

Selbst bei schweren Erkrankungen wie Krebs fällt es den Patienten häufig im Laufe der Zeit schwer, die Therapie wie verabredet anzuwenden. Doch hiervon hängt sehr wesentlich der Erfolg der Behandlung ab.

CML_ComplianceDie „Compliance" bzw. Therapietreue hat insbesondere bei schweren Erkrankungen eine zentrale Bedeutung, weil von ihr das Ansprechen und der Erfolg der Behandlung abhängen. Hierbei sind beide Seiten gefordert - sowohl der Patient als auch der Arzt. Denn der Patient sollte den Absprachen mit dem Arzt folgen, die Medikamente wie verschrieben einnehmen und Änderungen der Einnahme nur nach Rücksprache vornehmen. Der Arzt wiederum sollte regelmäßig den Therapieverlauf überprüfen und alle erforderlichen Kontrollen zur Sicherung des Therapieerfolges durchführen.

Was einleuchtend klingt, sieht in der Realität oft ganz anders aus: Nach einer Untersuchung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) aus dem Jahre 2002 wird immerhin die Hälfte der abgegebenen Arzneimittel nicht so eingenommen wie vom Arzt empfohlen. Zu den möglichen Folgen gehören eine Verschlechterung des Krankheitsbildes und/oder der Symptome, ein Nachlassen des therapeutischen Ansprechens sowie ein Anstieg der Therapiekosten - beispielsweise weil andere, intensivere Therapien oder Krankenhausaufenthalte notwendig werden. So schätzt die ABDA, dass sich die Folgekosten einer mangelnden Compliance in Deutschland jedes Jahr auf rund 15 bis 20 Milliarden Euro belaufen - das entspricht etwa 10 % der jährlichen Gesamtausgaben des deutschen Gesundheitssystems.

 

Gründe für mangelnde Therapietreue

Die Gründe für eine schlechte Therapietreue sind vielfältig. So erfordern vor allem chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) häufig Langzeittherapien. Manche Patienten brechen diese jedoch mit der Zeit ab, weil es ihnen besser geht oder weil sie nicht ständig an ihre Erkrankung erinnert werden möchten. Dies geschieht umso eher, je geringer das Krankheitsgefühl ist. So werden erhöhte Blutfettwerte häufig nicht als sehr belastend empfunden - umso schwerer fällt die Einsicht, dass die Therapie konsequent angewendet werden muss.

Auch Nebenwirkungen der Therapie können dazu führen, dass Patienten diese absetzen, ohne mit ihrem Arzt darüber zu sprechen. Hinzu kommt ein dramatischer Wandel in der Versorgung durch moderne Therapiekonzepte: Selbst schwer kranke Menschen können heute häufig lange zu Hause behandelt werden, weil ein Krankenhausaufenthalt nicht nötig ist. Auch bei der Anwendung von Medikamenten ist oft keine medizinische Fachkraft nötig, weil sie als Tabletten oder Kapseln zur sogenannten oralen Einnahme zur Verfügung stehen. Beide Entwicklungen, die für die Patienten in der Regel ja sehr positiv sind, haben den Nachteil, dass der Einfluss und die Kontrolle des Arztes abnehmen.

 

Therapietreue auch bei Krebs ein Problem

Obwohl in der Onkologie potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen behandelt werden und bei vielen Menschen die Angst vor Krebs groß ist, tritt auch hier das Problem der fehlenden Compliance zunehmend auf. Denn auch in diesem Bereich gelingt es durch medizinische Fortschritte zunehmend, die Medikamente auch als patientenfreundliche, orale Anwendungen anzubieten, die ohne den Arzt eingenommen werden können. Zudem entwickeln sich einige Krebsarten - z. B. die chronische myeloische Leukämie (CML) - durch hocheffektive Behandlungsmethoden immer mehr zu chronischen Erkrankungen, bei denen sich die Patienten zunehmend symptomfrei fühlen.

So wies in einer internationalen Studie mit knapp 170 CML-Patienten ca. ein Drittel der Teilnehmer in der Behandlung mit dem untersuchten Tyrosinkinasehemmer eine mangelnde Therapietreue auf. Beim Zählen der eingenommen Tabletten zeigte sich sowohl eine Unter-, als auch eine Überversorgung: Nur einer von sieben Patienten hielt sich ganz genau an die Vorgaben des Arztes. Die fehlende Therapietreue war in dieser Studie ausgeprägter, wenn folgende Bedingungen zutrafen:

• Höheres Alter des Patienten
• Langes Zurückliegen der CML-Diagnose
• Lange Dauer der Tyrosinkinasehemmer-Therapie
• Geringe/mangelnde Kenntnisse des Patienten über die Krankheit und die Behandlung
• Verhältnismäßig gute gesundheitliche Verfassung des Patienten bei Studienbeginn

Die mangelnde Therapietreue bestätigte sich in einer weiteren Studie, in der mehr als 4.000 Patienten nur etwa drei Viertel der verordneten Dosen einnahmen. Wie das Beispiel eines 16-jährigen Mädchens mit CML zeigte, droht hierdurch ein Fortschreiten der Erkrankungen: Bereits 30 Tage, nachdem sie das untersuchte Medikament abgesetzt hatte, verschlechterte sich ihr Krankheitsbild. Zum Glück bildeten sich nach dem erneuten Beginn der Therapie die Symptome wieder zurück.


Folgen der mangelnden Therapietreue bei CML

Die schlechte Therapietreue bei CML führt demnach zu einer nachlassenden Wirksamkeit des Wirkstoffs. Dadurch wird die Tyrosinkinase Bcr-Abl, die bei CML überaktiv und für das unkontrollierte Wachstum der Leukämiezellen verantwortlich ist, nicht mehr unterdrückt. Dies birgt neben der Verschlechterung des Krankheitsbildes bzw. dem Nachlassen des Therapieansprechens besondere Gefahren. Zum einen kann die Erkrankung hierdurch so fortschreiten, dass sie von der früheren, chronischen in eine spätere Krankheitsphase übergeht (akzelerierte Phase oder Blastenkrise), die teilweise sehr belastend und schlechter behandelbar ist. Wenn die Konzentration des Wirkstoffs im Körper abfällt, weil die nächste Dosis nicht vorschriftsgemäß eingenommen wurde, besteht zum anderen das Risiko, dass sich unter diesen suboptimalen Bedingungen Resistenzen bilden. Durch Resistenzen wiederum kann die Behandlung - selbst wenn die Dosis wieder stimmt - nicht mehr richtig wirken bzw. nahezu unwirksam werden. Das macht ggf. eine Erhöhung der Dosis oder die Umstellung auf eine andere Therapie notwendig.


Patient hat Schlüsselrolle bei Therapieerfolg

Daher ist es bei Erkrankungen wie CML von großer Bedeutung, die Behandlung wirklich wie mit dem Arzt verabredet anzuwenden und jede Änderung vorab mit ihm zu besprechen. Auf diese Weise trägt der Patient wesentlich dazu bei, dass die CML in eine chronische, dauerhaft behandelbare und möglichst wenig belastende Erkrankung übergehen kann.

 

Quellen:
Nach Informationen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, 2002, sowie der Fachzeitschriften Blood, 2007, Journal of Clinical Oncology, 2006, und Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 2003.

Stand: 18.05.09
Autor: BSMO Redaktion


Share | |
  • Schriftgröße
Dies ist ein Service von Novartis Oncology
Kostenfreie CML-Hotline
CML Newsletter
Ratgeber CML
Ratgeber CML
Zum Download und bestellen
In dem Ratgeber CML finden Krebspatienten und Angehörige wertvolle Informationen.
mehr
Expertenrat CML
Expertenrat CML
Haben Sie Fragen?
Im Expertenrat CML können Sie Fragen an unsere Ärzte stellen - kostenlos und anonym.
mehr
Sie befinden sich hier:
  • Home
  • Medizinisches Wissen