Die CML wird aggressiv behandelt. Komplikationen oder Nebenwirkungen sind deshalb möglich, lassen sich aber häufig durch ergänzende Therapien bessern.
Um einen optimalen Erfolg bei der Therapie einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) zu erzielen, sollte die Erkrankung möglichst konsequent und frühzeitig behandelt werden. Komplikationen und Nebenwirkungen werden dabei zum Teil in Kauf genommen und dann gesondert behandelt. Darüber hinaus kann die CML mit Begleitbeschwerden einhergehen, die in der Therapie ergänzend zu berücksichtigen sind.
So geht der Blutkrebs oft mit einer Erhöhung der Harnsäure im Blut einher. Steigt deren Konzentration auf etwa das Doppelte des Normalwerts an, besteht die Gefahr, dass sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern und dort sehr schmerzhafte Entzündungen auslösen. Diese Prozesse werden als Gicht bezeichnet. Der Harnsäurespiegel kann medikamentös verringert und damit der Gicht vorgebeugt werden.
Durch die unkontrollierte Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Verlauf einer CML kann zudem die Zahl der Zellen so stark ansteigen, dass die Fliessfähigkeit des Bluts darunter leidet. Das gefährdet die Blutversorgung in einzelnen Organen und erhöht das Risiko von Gefäßverschlüssen (Thrombosen).
Gerade zu Beginn der CML-Behandlung kann es deshalb erforderlich sein, die Zahl der weißen Blutkörperchen mit Hilfe der Leukozytapherese (Leukapherese, Leukopherese) rasch zu verringern. Bei diesem Behandlungsverfahren wird Blut aus einer Vene über einen speziellen Filter und anschließend wieder in den Körper zurückgeleitet. Der Filter ist so konstruiert, dass er ausschließlich die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zurückhält, alle anderen Blutbestandteile aber passieren lässt. Zeigt die gezielt gegen CML gerichtete Therapie, beispielsweise mit Tyrosinkinasehemmern, ihre Wirkung, sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen zumeist schnell. Leukozytapheresen sind dann nicht mehr erforderlich.
Die CML selbst, aber auch einige zu ihrer Behandlung eingesetzten Therapieverfahren, können das Abwehrsystem des Körpers schwächen. So nimmt in der Akzelerationsphase und im Stadium der Blastenkrise die Anzahl von Leukämie-Zellen im Knochenmark so stark zu, dass nicht mehr genügend gesunde weiße Blutkörperchen gebildet werden. Die Folge ist eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen. Zu den behandlungsbedingten Ursachen der Immunschwächung gehören darüber hinaus die Gabe von Chemotherapeutika, eine allogene Stammzelltransplantation und die Medikamente, die nach der Transplantation die Abstoßungsgefahr verringern.
CML-Patienten, die an einer ausgeprägten Schwächung der Abwehrkräfte leiden, werden vorbeugend behandelt, um eine Infektion möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Antibiotika richten sich gegen Bakterien, antivirale Mittel wirken gegen Viren. Allerdings stehen noch nicht für alle Virustypen geeignete Wirkstoffe zur Verfügung. Doch auch spezielle Impfungen können vorbeugend eingesetzt werden. Antimykotika schützen vor Pilz- und Hefeinfektionen. Welche Medikamente im Einzelfall eingesetzt werden, entscheidet der behandelnde Arzt jeweils nach der aktuellen Situation.
Um eine optimale Wirkung der CML-Behandlung zu erzielen und die Leukämie möglichst stark zurückzudrängen, wird die Therapie so aggressiv geführt, dass Nebenwirkungen nicht immer ausbleiben. Nach Möglichkeit sollte die Behandlung trotz solcher Begleiterscheinungen mit der notwendigen Intensität weitergeführt werden. Denn Unterbrechungen und Dosisverringerungen gefährden unter Umständen den Erfolg der Krebstherapie.
Die möglichen Nebenwirkungen unterscheiden sich nach dem jeweils angewendeten Behandlungsverfahren. Übergreifend bestehen aber Empfehlungen, wie die Therapie für die Patienten verträglicher gestaltet werden kann:
Wann immer neue oder ungewöhnliche Reaktionen auf eine Therapie auftreten, sollte der behandelnde Arzt umgehend informiert werden. Er kann einschätzen, ob ein Problem besteht und wie in der jeweiligen Situation am besten zu verfahren ist. Gemeinsam mit dem Betroffenen wird er versuchen, eine Lösung zu finden, die sowohl den bestmöglichen Behandlungseffekt garantiert, als auch eine möglichst hohe Lebensqualität für den Patienten sicherstellt.