Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist seit einigen Jahren sehr gut behandelbar. Ziel der Therapie ist es, die Krankheit möglichst dauerhaft unter Kontrolle zu bringen. Das Ansprechen der Erkrankung auf die Behandlung wird nach einem 3-stufigen Schema beurteilt.
Das Behandlungsziel bei chronischer myeloischer Leukämie ist es, die Krankheit möglichst dauerhaft unter Kontrolle zu bringen und den Patienten ein selbstbestimmtes Leben mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Wünschenswert ist also eine zuverlässige Behandlung, die nur wenige Nebenwirkungen aufweist und die CML-Betroffenen nach Möglichkeit nicht in ihrer Lebensführung einschränkt, etwa indem sie wiederholte oder längere Krankenhausaufenthalte erforderlich macht.
Wie gut eine CML-Erkrankung auf die Behandlung anspricht, wird auf drei unterschiedlichen Ebenen beurteilt. Die Ebenen entsprechen einem immer weiteren Zurückdrängen der Krankheit. Unterschieden werden:
Dabei wird untersucht, wie viele Zellen der unterschiedlichen Zelltypen im Blut und wie viele unreife weiße Blutzellen zu finden sind. Dazu werden gewöhnliche Blutproben entnommen und im Labor analysiert. Als vollständige hämatologische Remission (Krankheitsrückgang) wird gewertet, wenn sich die Zusammensetzung des Bluts vollständig normalisiert hat. Außerdem dürfen die Patienten durch die CML nicht mehr an Beschwerden leiden. Hat sich das Blut noch nicht vollständig normalisiert oder bestehen einige Krankheitssymptome fort, wird von einer partiellen (teilweisen) hämatologischen Remission gesprochen. Üblicherweise wird nach Beginn der Behandlung alle zwei Wochen eine Blutprobe aus einer Vene entnommen und kontrolliert, ob sich das Blutbild normalisiert hat. Ist eine vollständige hämatologische Remission erreicht und in einer weiteren Untersuchung bestätigt worden, erfolgen die weiteren Kontrollen in der Regel im Abstand von drei Monaten.
Zur Bestimmung des zytogenetischen Ansprechens (zytogenetische Remission) wird untersucht, wie viele Zellen einer Probe aus dem Knochenmark weiterhin das für die Erkrankung typische Philadelphia-Chromosom tragen und ob noch weitere genetische Veränderungen an den Chromosomen vorliegen. Üblicherweise werden für diese Bestimmung 20-25 Zellen unter dem Mikroskop untersucht.
Kann kein Knochenmark gewonnen werden, ist es in Ausnahmefällen auch möglich, die Untersuchung mittels des so genannten FISH-Verfahrens vorzunehmen, bei dem eine gewöhnliche Blutprobe nach einem speziellen Verfahren aufbereitet wird.
Eine vollständige zytogenetische Remission ist erreicht, wenn in einer Probe keine Philadelphia-Chromosomen entdeckt wurden und dieses Ergebnis in einer Folgeuntersuchung bestätigt wurde. Das zytogenetische Ansprechen wird normalerweise alle sechs Monate überprüft, bis ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen bestätigt ist. Danach erfolgen die Kontrolluntersuchungen in 12-monatigem Abstand.
Das molekulare Ansprechen (molekulare Remission) einer CML-Therapie wird anhand der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durch den Nachweis des BCR-ABL Proteins bestimmt. Die Untersuchung erfolgt anhand einer gewöhnlichen Blutprobe. Von einem vollständigen molekularen Krankheitsrückgang (komplette molekulare Remission) wird gesprochen, wenn das BCR-ABL Protein nicht mehr nachgewiesen werden kann.
Wie für die Blut- und die Knochenmarkuntersuchung besteht auch für den molekulargenetischen Nachweis eine Grenze der Empfindlichkeit. So kann die PCR bis zu einer CML-Zelle in 1.000.000 Zellen nachweisen. Selbst wenn in mehreren Blutproben kein BCR-ABL Protein mehr nachgewiesen wurde, können deshalb trotzdem noch CML-Zellen im Körper fortbestehen und bei Absetzen der Medikation eine Rückkehr der CML auslösen. Dieser Umstand führt dazu, dass auch bei vollständigem molekularen Ansprechen nicht von einer Heilung der CML gesprochen werden kann.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die Einnahme von Medikamenten bleiben also weiterhin erforderlich. Das molekulare Ansprechen wird in der Regel alle drei Monate überprüft.
Durch die Behandlung der CML soll möglichst rasch ein hämatologisches und anschließend ein zytogenetisches und molekulares Ansprechen der Erkrankung erreicht werden. Die einzelnen Stufen sind dabei nicht streng voneinander getrennt. So kann etwa bereits ein partielles zytogenetisches Ansprechen vorliegen, obwohl noch keine vollständige hämatologische Remission erreicht worden ist.
Das Erreichen und Beibehalten einer möglichst vollständigen Remission der CML ist das wichtigste Ziel der Behandlung. Sollte kein zufriedenstellendes Ansprechen erreicht werden oder ein gutes Ansprechen verloren gehen, kann eine Dosiserhöhung oder eine noch gezielter wirkende Therapie eine weitere Verbesserung des Behandlungserfolges ermöglichen.
Nach heute weit verbreiteter Auffassung rechtfertigen es die Behandlungserfolge inzwischen, CML als eine chronische, das heißt dauerhaft das Leben begleitende Erkrankung aufzufassen. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, den Betroffenen nicht nur das Überleben zu sichern, sondern ihnen ein selbstbestimmtes Leben mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen.
Tatsächlich stehen mittlerweile Medikamente zur Verfügung, die nur geringe Nebenwirkungen aufweisen und als Tabletten zu Hause eingenommen werden können. Mit Ausnahme regelmäßiger Kontrollen beim Arzt und der konsequenten Einnahme der Medikamente führen sehr viele an CML erkrankte Menschen heutzutage deshalb ein fast normales Leben.
Zur Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie steht eine Vielzahl von Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die wichtigsten sind:
* die Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern,
* die Behandlung mit dem Wirkstoff Interferon alpha,
* die Chemotherapie und
* die allogene Stammzelltransplantation.